Die Jungen übernehmen Verantwortung

3. Liga: HG zieht im Derby gegen Pforzheim-Eutingen dennoch knapp den Kürzeren.
Die von Ausfällen immer wieder und weiterhin gebeutelten Drittliga-Handballer der HG Oftersheim/Schwetzingen sahen gegen die SG Pforzheim/Eutingen erst aus wie haushohe und klare Verlierer. Aber dann standen die Totgesagten auf, kamen dicht heran, mussten sich am Ende aber doch mit 30:33 (13:19) geschlagen geben.
„Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir alles reinhauen“, hatte der Halbrechte Leon Haase vor der Begegnung bekräftigt. Aber das ging irgendwie in die Hose. Die Heimischen brachten nur drei Fehlpässe zustande (0:4), Haase und Ersatzkapitän Max Barthelmeß per Siebenmeter sorgten wenigsten für zwei erste Torerfolge, dann kam aber noch ein verworfener Ball obendrauf: 2:7 (8.) und HG-Trainer Christoph Lahme musste schon seine erste Grüne Karte zum Einsatz bringen, war alles andere als begeistert, wie es jeder Zuschauer sehen konnte. Ein Finn Meißner (12/6), Jugend-Nationalspieler auf Halbrechts war zum Beispiel kaum unter Kontrolle zu beringen.
Nach einer abgesessenen Zeitstrafe ließ Lahme dann sein Team mit vier Mann im Rückraum operieren. Die Auswirkungen blieben überschaubar: 5:13 (18) gefolgt von einer zweiten Auszeit und dennoch gab es das 5:14 obendrauf. Symptomatisch, dass der Ball dabei vom Pfosten an die Hacke des unglücklichen und sicherlich entnervten Torwarts Luca Berghoffer ging und hinter der Linie landete. Definitiv keiner wollte mehr auf die HG setzen. Lahme schickte nun Nachwuchs-Keeper Gawen Weingärtner ins Gehäuse. Auf Linksaußen war mittlerweile Philipp Walter im Einsatz, auch andere jüngere Akteure mussten ran. Der Rückstand wuchs nun nicht mehr an, wurde stückchenweise sogar verringert (12:18).
Der Leidensweg von Oftersheim/Schwetzingen war jedoch noch nicht beendet. Erst erwischte es Yannick Muth (Unterleib), dann Valentin Huljak am Fußgelenk beim Konter. Er hatte sich wie sein Bruder David schon unter Woche im Training dort verletzt, aber beide stellten sich in den Dienst der Sache. Nun musste Robin Wolf aus der A1 vorne wie hinten am Halbrund ran. Dieser harmonierte im Angriff besonders mit Sinan Antritter. Nach der Pause schied dann auch noch Haase mit Problemen im Nacken nach einer Kopf-an-Kopf-Kollision aus. Da stand es allerdings schon 19:22 (38.).
„Wieviel Scheiße müssen wir eigentlich noch fressen“, fragte Lahme später in die Runde. „Dieses Spiel hat uns schon wieder zweieinhalb Spieler gekostet. Wie das alles passieren kann? Keine Ahnung, viele Dinge sind mir einfach unerklärlich. Aber das entschuldigt nicht, was wir da am Anfang hingelegt haben.“ Jetzt waren fast nur noch Akteure aus der so genannten zweiten oder dritten Reihe, aus der „Ib“ oder der A1auf der Platte. Sie wurden in die Verantwortung gedrängt – und sie übernahmen die Verantwortung. Auch wenn ihr Trainer forderte, „ruhig spielen, wir haben niemand mehr zum Auswechseln.“
SG-Coach Alexander Lipps versuchte den HG-Lauf nun zu unterbrechen. „Mit der ersten Viertelstunde war ich sehr zufrieden. Wir spielten aus einem Guss, begingen offensiv kaum Fehler. Das Sieben-gegen-Sechs von Christoph hat unseren Rhythmus unterbrochen, wir haben die Spannung verloren. Und nach der Verletzung von Valentin brachten wir noch ein paar Prozent weniger. Meine Jungs hielten die Sache wohl schon für erledigt. Aber es war uns eigentlich vorher klar, dass es hier in Schwetzingen immer ein enges Thema ist.“
Auf Hausherrenseite ging ein gestärkter Berghoffer nun wieder reihenweise auf Ballfang. Seine Vorderleute bissen sich durch und beim 24:25 (48.) schien das Match zu kippen. Doch mit etwas zu viel Überschwang wendete sich das Blatt wieder (24:28/53.). Es bedurfte bei Pforzheim/Eutingen der Routine der alten Hasen Julian Broschwitz und Davor Sruk, den Sieg einzufahren. „Die individuelle Qualität von Julian hat uns dann am Ende gerettet“, betonte Lipps später auch.
Doch das sollte Lahme nicht grämen. „Es war dann aber absolut erfreulich, was unsere Jungspunde auf der Platte getrieben haben. David, Philipp, Robin, Gawen, Henri – die Liste könnte ich noch weiterführen – haben alles gegeben. Trotz Niederlage hat mich deren Leistung sehr gefreut. Und die Halle hat das honoriert. Das gibt zumindest ein gutes Gefühl für die kommende Trainingswoche, auch wenn ich sie jetzt komplett umgestalten muss. Es sollte uns vergessen lassen, wer uns alles nicht zur Verfügung steht.“
Die SO.LE Green Energy GmbH präsentierte die Partie als Spieltagssponsor. Vielleicht trug der HG-Business-Partner mit seinen Informationen zu Photovoltaikanlagen und Stromspeichern zur energiegeladenen 2. Halbzeit der HG bei, die manchen Zuschauern, so Lahme, dann doch noch “ein Lächeln ins Gesicht zauberte”.
HG: Weingärtner, Berghoffer; Barthelmeß (3/2), Antritter (3), D. Huljak, V. Huljak (1), R. Wolf (4), Walter (6), Durak (4/3), Novo, Hammarberg (3), Haase (2), Muth (2), Hell (2).
Fotos: Siegfried Brombach






