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Vom Eierlesen nach Down Under

Das Handball-Märchen des HG-Mittelmanns Henri Hell.

Bammental/Sydney. Manchmal schreibt der Sport Geschichten, die man im Vorfeld als Hollywood-Kitsch abgetan hätte. Die Geschichte von Henri Hell, Mittelmann und in der kommenden Saison fester Bestandteil der HG-Regionalligamannschaft, ist genauso eine. Sie beginnt an einem traditionsreichen Ostermontag im beschaulichen Bammental und endet nur wenige Wochen später mit der australischen Meisterschaft im rund 16.000 Kilometer entfernten Sydney.

Der Zufall am Ostermontag

Es ist der 6. April. Beim traditionellen Eierlesen des TV Bammental (Jugendverein von Henri und Christoph) trifft Henri Hell zufällig auf Christoph Scholl. Scholl ist in der regionalen Handballszene kein Unbekannter, doch sein sportlicher Lebensmittelpunkt liegt längst auf der anderen Seite der Erdkugel. Seit 2021 zieht er die Fäden beim australischen Top-Club Sydney University Handball Club – zunächst als Co-Trainer und Teammanager, mittlerweile seit knapp fünf Jahren als Cheftrainer (Head Coach).

Henri Hell beim Torwurf in der Halbfinalpartie gegen UTS HC.

2018 und 2019 war die Mannschaft übrigens vom Leutershausener Michael Roth betreut worden. Scholl kennt diesen „Verein“ in- und auswendig, lief sogar schon 2012 beim allerersten Auftritt des Clubs bei einer Vereins-Weltmeisterschaft selbst als Spieler auf. Henri hat diesen Auftritt damals mit seinem Vater im Live-Stream verfolgt.

Wie es in der Sportwelt so ist, führt ein Wort zum anderen. Scholl spricht über die Vorbereitungen zur Ozeanienmeisterschaft  – und fragt Henri kurzerhand nach seinen Plänen für den Mai, da er auf Rückraum Mitte noch jemanden sucht.

Der Rest ist bürokratischer Hochleistungssport: Eine Nacht drüber geschlafen, das Okay des Stammvereins HG eingeholt, die Formalitäten mit der Universität Heidelberg geklärt (wo Henri Sport und Volkswirtschaftslehre studiert) und ab geht der Zuruf nach Australien: „Ja, ich bin am Start!“

Im Schnelldurchlauf zum Titel

Henri führt beim Turnier Regie.

Was folgte, war ein sportlicher Sprint.

20. Mai: Abflug in Deutschland.

22. Mai: Ankunft in Sydney – Jetlag inklusive.

Die Vorbereitung: Gerade einmal fünf gemeinsame Trainingseinheiten blieben Henri, um sich mit dem neuen Team einzuspielen.

27. Mai: Eine sechsstündige Autofahrt nach Coffs Harbour, dem Austragungsort der Australian Handball Club Championships 2026.

Zum 14. Mal australischer Meister: Sydney University Handball Club.

Am selben Abend stand bereits das erste Gruppenspiel gegen Saint Kilda an. Es wurde der Auftakt zu einem regelrechten Durchmarsch. Das Premierenspiel endete mit einem deutlichen 32:21-Sieg. Auch die weiteren Vorrundengegner, der Gold Coast HC (27:15) und der UNSW HC (41:19), hatten der Angriffsfurie aus Sydney nichts entgegenzusetzen. Nach einem ebenso souveränen 34:19-Erfolg im Halbfinale gegen den UTS HC stand das Team im großen Finale.

Dominanz im Finale und historischer Rekord

Am Sonntag, 31. Mai, wartete mit Canberra ein physisch enorm starker Gegner. Bis zur 23. Minute blieb die Partie eng (9:8), doch kurz vor und direkt nach der Pause zeigte Sydney seine Klasse. Mit einem Zwischensprint zog das Scholl-Team auf 16:9 davon – der Widerstand von Canberra war gebrochen. Am Ende leuchtete ein deutliches 40:22 von der Anzeigetafel.

Eine Meisterschaft der Superlative

Mit dem Turniersieg in Coffs Harbour krönte sich die Sydney University ungeschlagen zum dritten Mal in Folge (nach 2024 und 2025) zum australischen Meister. Die beeindruckenden Zahlen dahinter: 16 Siege in Folge: Das Team baute seine historische Siegesserie bei nationalen Meisterschaften weiter aus.

Henri mit Papa Wolfgang.

WM-Ticket gelöst

Durch den Titel qualifizierte sich der Club zum insgesamt 14. Mal (historischer Rekord) für die IHF World Club Championship (die Vereins-WM), die noch im Laufe des Jahres 2026 in Ägypten stattfinden wird.

In großen Fußstapfen

Für Henri Hell schließt sich mit diesem Erfolg auch ein Kreis zu seinem Heimatverein. Er trat in Australien in die riesigen Fußstapfen eines anderen Ex-Spielers der HG: Lino Messerschmidt. Dieser hatte Sydney 2024 und 2025 zur Ozeanien-Meisterschaft geführt und war im November 2025 an der Universität sogar als „Male Blue of the Year“ (Sportler des Jahres) ausgezeichnet worden. Früher war die HG durch Rückraummann Manuel Postbiegel schon auf dem „fünften Kontinent“ vertreten gewesen.

Das Abenteuer Australien hat einmal mehr gezeigt: Handball verbindet – von den Hallen der HG und dem TV Bammental bis auf die ganz große internationale Bühne am anderen Ende der Welt.

Wolfgang Hell/Mike Junker. Fotos: W. Hell

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