„Wir waren nicht cool genug“

HG-B-Jugend verpasst den Sprung in die Bundesliga und spielt sich auf hohem Niveau für Regionalliga ein.
Den Start ins Turnier verpasst, einen Vorteil abgegeben und schon war es bereits samstags um die B1 der HG Oftersheim/Schwetzingen geschehen, die in der Oftersheimer Karl-Frei-Halle erneut in die Jugend-Bundesliga Handball einziehen wollte. Dabei erwies sie sich über weite Strecken ihren Gegnern nicht nur ebenbürtig, sondern manchmal sogar spielerisch überlegen. Aber zu oft scheiterten die Angriffsbemühungen aus diversen Gründen. Der Sonntag geriet somit zu einem Einspielen für die kommende Regionalliga-Saison auf hohem Niveau.
Eine zumindest in der ersten Halbzeit extrem torarme Begegnung lieferten sich zum Turnierauftakt der Gastgeber und die HSG Dutenhofen/Münchholzhausen. Nach über fünf Minuter erst fiel der erste Treffer. Weitere vier Zeigerumdrehungen sollte es dauern, bis Moritz Beck für die Hausherren ein Tor markierte. Zuvor waren acht Fehlangriffe zu notieren gewesen. Da die vom Trainergespann Florian Schwarz und Jonah Fassunge später gelobte Deckung aber meist präsent war, hatte es bis dahin nur einen weiteren Gegentreffer gegeben. Aber das Angriffsverhalten bleib beidseitig mangelhaft, wie der Pausenstand nach 20 Minuten belegte (5:7). Die spärliche Ausbeute aus 20 Angriffen unterstreicht dies.
Doch immer wieder kam die HG danach in die Möglichkeit auszugleichen, was ihr letztlich auch gelang (8:8). Sie hätte auch vorlegen können, tat es aber nicht. Die Oftersheim/Schwetzinger Jungs rissen Lücken, spielten auch oft die Außen frei, versemmelten jedoch fast genauso häufig den Wurf oder waren im Aufbau so unkonzentriert, dass der wertvolle Ballbesitz verloren ging. Nach Auszeit und dem 10:10 vom Tom Komarek war dann komplett der Wurm drin: 10:14; ein vorzeitiger Genickbruch, der trotz Deckungsversuche mit 3:3 oder 0:6 und zweier Roten Karten für den Gegner (19./40.) nur partiell repariert wurde.
Gegen den TV Nieder-Olm sollte dann alles besser werden. „Die ersten fünf Minuten gehören euch“, forderte Trainer Jonah Fassunge vor dem Einlaufen seiner Truppe, die auch mit dem ersten Angriff gleich traf. Er wurde also erhört, doch das 3:0 schockte den Gegner nicht nachhaltig. Dieser robbte sich ständig wieder heran, auch dank der Mithilfe seiner Gastgeber. Denn nach HG-Ballgewinnen – und davon gab es etliche – wurde im Überschwang das Wurfgerät zu oft überhastet oder leichtfertig und ungezwungen wieder herausgegeben. Dennoch schien die Sache mit einem Zwischenresultat von 21:16 (32.) fast schon in trockenen Tüchern zu sein. Aber eben nur fast. „Wir waren ab diesem Moment nicht mehr cool genug“, bemängelte Spielmacher Julian Schmitt mit viel Selbstkritik. Über 23:22 glichen die Rheinhessen aus. Per Strafwurf, von Jonas Potoski erzwungen, legte HG-Kapitän Fabio de Marco 30 Sekunden vor Abpfiff noch einmal vor. Der TVN brachte dann den siebten Feldspieler (mit Leibchen) und stellte das Remis her. Im letzten heimischen Angriff wurde noch eine Zeitstrafe wegen Klammerns ausgesprochen. Einen Strafwurf, obwohl innerhalb der letzten 30 Sekunden erfolgt, gab es dafür nicht.
Das Missgeschick, einen deutlichen Vorsprung zu vergeuden, sollte nachfolgend auch anderen, sich siegessicher wähnenden Mannschaften unterlaufen. Hinzu kam: An diesem ersten Tag sahen die HG-Spieler einzig zweimal gelb und mussten eine Zeitstrafe hinnehmen, während die Gegner an diesem ersten Tag reihenweise rauswanderten (20 Minuten) oder sogar auf die Tribüne geschickt wurden. Doch diese Phasen gereichten fast nie zum eigenen Vorteil.
Und ein Vorteil war in der Partie gegen den TSV Ottobeuren überhaupt nicht zu entdecken. Die erste Viertelstunde offenbahrte schonungslos die gesamte Misere im Spiel der Kurpfälzer – vorne wie hinten – während der Gast im Minutentakt traf (5:14). Positiv zu vermerken war, dass die heimischen Spieler nie aufhörten zu kämpfen. Es mag ein kleiner Trost gewesen, dass bei der 18:24 (8:15)-Niederlage die zweite Spielhälfte gewonnen wurde, die HG kurz sogar auf drei Tore Rückstand herangekommen war.
Die Allgäuer, bis zu jenem Zeitpunkt verlustpunktfrei, vermeintlich auf dem Weg zum Turniersieg und in die Bundesliga, wurden dann von Nieder-Olm eine Halbzeit lang gnadenlos überrollt (16:6). Versöhnlicher Abschluss für die HG war dann der 20:19 (11:9)-Erfolg über den TV Aldekerk.
Doch die Show war noch nicht vorbei. Denn die Rheinhessen, die nun die Pole-Position eingenommen hatten, bekamen von der HSG D/M vehement den Boden unter den Füßen weggezogen (0:4, 4:10). Auf der Tribüne trieben die Bayern die Hessen an. Sie witterten wieder Morgenluft, wären wieder Erster, wenn das Spiel so ausgehen würde. Und das große Rechnen ging los, auf den Bänken, im Publikum. Denn mittlerweile waren die Ergebnisse der anderen drei Quali-Gruppen bekannt. Der Wetzlarer Unterbau musste mit mindestens acht Toren Differenz gewinnen, um bester Zweiter deutschlandweit zu werden. Und durch den 20:9-Endstand kam es zu einer riesigen Ottobeurer-Dutenhofen/Münchholzhausener Verbrüderung und ausgelassenen Jubelfeier.
HG: Zietlow, Trapp, Ulianenko; Pöltl (3), Endres (5), Beck (8), Brombach (2), de Marco (18/8), Keck (2), Böhler, (2) Flößer, Potoski (9), Komarek (7), Ihrig (7), Schmitt (5), Fritsch (1).
Ergebnisse
HG Oftersheim/Schwetzingen – HSG Dutenhofen/Münchholzhausen 14:16 (5:7), TSV Ottobeuren – TV Aldekerk 23:20, TV Nieder-Olm – HG O/S 25:25 (10:12), HSG D/M – TSV O 19:20, TVA – TVN 26:27; TSV O – HG O/S 24:18 (15:8), TVA – HSG D/M 15:23, TVN – TSV O 26:19, HG O/S – TVA 20:19 (11:9), HSG D/M – TVN 20:9.
Mike Junker, Fotos: Andreas Moosbrugger







