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„Balsam für die Seele“ – endlich wieder Heimsieg

Regionalliga: HG schlägt Willstätt/Hanauerland mit 29:28 und klettert in der Tabelle.

Es war mal wieder eine verdammt schwere Geburt, meinte mancher Zuschauer, bis endlich der 29:28 (14:13)-Heimsieg – der zweite der laufenden Regionalliga-Saison nach zwei Nullnummern dazwischen und einem anderen Ausrutscher – der HG über die HSG Willstätt/Hanauerland feststand. Denn erst etliche Sekunden nach offiziellem Spielende versenkte Max „Mini“ Barthelmeß die Harzkugel per Siebenmeter zum höllisch umjubelten Endergebnis. Vorausgegangen waren 60 Minuten turbulenten Handballs, der jedoch nicht immer Spitzenklasse aufwies, aber ständig von Dramatik pur geprägt war. Dieser Erfolg spülte die HG rein optisch über Nacht auf Rang drei der Tabelle. Defacto bleibt sie jedoch noch im Mittelfeld behaftet.

Luca Berghoffer war in Topform.

Die ersten Zeigerumdrehungen im Spielablauf der Hausherren waren sympthomatisch für einen Teil der bisherigen Saison und auch für den folgenden kompletten Spielverlauf. Nur diesmal mit erfolgreichem Ende. Viermal hatten die HG-Jungs vom ersten Kreis oder aus Kontern heraus auf das von Gunther Zolle gehütete HSG-Tor geworfen und waren gescheitet. Dass bereits dort oder später kein größerer Schaden angerichtet wurde, war einer leichtfüßigen Deckung und Keeper Luca Berghoffer zu verdanken. Barthelmess beendete den Spuk der Anfangszeit mit dem 1:2 (4.).

Erzielte fünf Treffer von Rechtsaußen: Lukas Hepp.

Aber noch öfter mussten solche Dellen ausgemerzt werden, auch seltene Führungen wurden vergeben. Kevin Suschlik stellte bei seinem Comeback nach Verletzung die erste direkt nach seiner Einwechselung her (13:12/26.). Doch abgesehen davon hatte die HG einen vermeintlichen Rekord von 15 Fehlwürfen bis zur Pause aufgestellt und Berghoffer durfte einen extremen Wert von elf Paraden allesamt mit Ballbesitz verzeichnen. Aus der allgemeinen Offensivkritik muss die äußere rechte Seite ein wenig herausgenommen werden, die mit einer deutlich besseren Wurfquote aufwartete.

Mancher fragte sich auch, was die HG-Angreifer noch einstecken müssten, um einen Strafwurf zugesprochen zu bekommen. Und ebenso hatten sie in der Deckung ordentlich ihre Knochen hinzuhalten. Offensichtlich wurde dies dann in der 51. Minute. Laca Karic (HSG) räumte Lukas Auth mit dem Ellenbogen ab und die Unparteiischen brauchten keine lange Beratungszeit, um ihn mit Rot auf die Tribüne zu verweisen. Dort sollte er nicht alleine bleiben In dem Gedränge danach vergriff sich Ajdin Alkic sowohl per Hand als auch verbal an HG-Akteuren wie Valentin Huljak und folgte seinem Kollegen direkt.

Allzweckwaffe: David Huljak.

In der numerischen doppelten Überzahl traf einmal David Huljak, die Allzweckwaffe im Rückraum, jetzt von Halbrechts zu einer weiteren neuen Führung der Gastgeber. Doch nach  kurzer torloser Phase und Auszeit von Willstätts Trainer Ole Andersen (55.) sowie zwei Treffern von Lennart Cotic waren die Ortenauer wieder vorne. Anschließend musste HG-Kapitän Marc Kern erbost auf die Strafbank, doch Suschlik glich wieder aus. Aber das Team aus dem Hanauerland legte erneut vor. Anschließend durfte Valentin Huljak unfreiwillig pausieren. Und wieder gelang ein Unterzahltor, jetzt durch Yannick Muth.

Nach langer Leidenszeit zurück: Kevin Suschlik.

Der Angriff Willstätts nach eigenem Timeout verlief indes im Sande. Bei 59:40 legte Lahme die letzte Grüne Karte. Und egal, was er vorgegeben hatte, bei 59:59 war Muth durch und bekam diesmal einen Strafwurf zugesprochen – den ersten und einzigen der gesamten Partie. Selbstbewusst wechselte sich Standardschütze Bartelmeß von der Bank ein, wartete aufs Signalhorn und dann den Pfiff des Schiedsrichters und lochte unhaltbar ein. Unhaltbar war dann auch die Traube an beteiligten und zuschauenden, aussetzenden Spielern, die ihn in einer Ecke der Nordstadthalle dann unter sich begruben.

Ob er irgendeinen Bammel oder sonstige Zweifel, Druck vor dem Wurf verspürt hätte, verneinte er strikt. „Gar nichts!“ Andererseits: „Reife Leistung von ‚Mini‘, bei vier oder fünf Fehlwürfen aus dem Spiel zuvor“, wie ihm sein Coach attestierte. Dieser war mehr als nur erleichtert.

Nervenstark: Max Barthelmeß beim letzten Siebenmeter.

„Heute müssen wir nicht das Wie beantworten, sondern uns über die zwei Punkte ausgiebig freuen. Bei 29 Fehlwürfen und dies bei klarsten Einwurfchancen von sechs Metern hätte das Spiel deutlich früher in unsere Richtung laufen müssen. Dennoch fragt morgen eben keiner mehr mehr nach diesem Wie. Ein großes Lob zu der sensationellen Leistung geht an Luca, der fantastisch über die 60 Minuten parierte und uns trotz stotterndem Abschlussmotor dauerhaft im Spiel hielt.“ Lahme schildert auch den Schluss aus seiner Sicht: „Bei minus Eins (27:28) mit Zeitstrafe gegen uns und nur noch zwei Minuten auf der Uhr der Anzeigetafel, gilt das nächste Lob unserer in dieser Phase wahnsinnig agilen Unterzahlabwehr.“

Die HSG wollte unbedingt ihren fünften Sieg in Folge, sieht sich wahrscheinlich im Ergebnis ihrer Historie auch in der Regionalliga unterbewertet. Dass ihr dieser nächste Erfolg erst zu entgleiten drohte und dann auch nicht wahr wurde, dürfte mit zu dem angespannten Nervenkostüm der letzten Minuten und der Zeit der danach beigetragen haben, was sich auch auf die Ränge übertragen hatte. Die HG-Ordner hatten indes alles im Griff.

HG: Berghoffer, Zupp; Barthelmeß (3/1), D. Huljak (5), Kern (2), V. Huljak, Auth, Suschlik (2), Schmitt (4), Nauß (3), Klein (1), Hepp (5), Muth (4).

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