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Laden... HG Oftersheim/Schwetzingen

Wie schaffen Deutschland und die HG die Trendwende?

Beim 8. HG-Welde-Kamingespräch ging es um die aktuelle Finanzpolitik der Bundesregierung.

Trendwende – alle hoffen darauf, dass sie sich so schnell wie möglich einstellt: die Bundesregierung, die Unternehmen, die Bürger – und die Handballer der HG Oftersheim/Schwetzingen. Während sich die einen nach Wirtschaftswachstum, privaten Investitionen und steuerlichen Erleichterungen sehnen, wünschen sich Letztere einfach nur Punkte – Punkte im Kampf um den Klassenerhalt in der 3. Liga.

Max Mäder moderierte den Abend.

Die „Trendwende“ war ein häufig genutzter Begriff beim mittlerweile 8. HG-Welde-Kamingespräch, zu dem die Handball-Gemeinschaft ihre Partner und Förderer ins „Blaue Loch“ nach Schwetzingen eingeladen hatte.

Und wie in den Vorjahren hatten die Verantwortlichen interessante Gesprächspartner zu einem Thema eingeladen, das ihre Partner ganz direkt betrifft: „Was bedeutet die aktuelle Finanzpolitik der Bundesregierung für die Unternehmen?“, lautete die Frage, die Max Mäder, bei der HG verantwortlich fürs Sponsoring, in die Runde im vollbesetzten Blauen Loch gab.

Investitions- und Punktebooster

Der Wahl-Schwetzinger und frühere HG-Handballer Prof. Dr. Marcel Olbert von der renommierten London Business School sorgte mit seinem kurzweiligen und mit Referenzen ans aktuelle HG-Geschehen garnierten Vortrag zunächst für die „Vogelperspektive“. Er präsentierte eine Folie, die bisweilen als „Merz´sche Schicksalsgrafik“ bezeichnet wird. Sie zeigt die aktuelle Misere der deutschen Wirtschaft: drei Zeitreihen, die belegen, dass die Staatsausgaben steigen, während das Bruttoinlandsprodukt und die privaten Investitionen stagnieren oder gar zurückgehen. Bundeskanzler Friedrich Merz habe sein politisches Schicksal daran geknüpft, dass die drei Linien sich noch in dieser Legislaturperiode wieder annähern.

Olbert erläuterte einige der Maßnahmen der Regierung: das Sondervermögen, die „Made-for-Germany“-Initiative gemeinsam mit den deutschen Großunternehmen und den „Investitionsbooster“. Während die HG-Handballer einen „Punktebooster“ brauchen, konzentriere sich der Investitionsbooster auf drei Bereiche: Förderung der Elektromobilität, Steuervorteile und Forschungszulagen.

Prof. Dr. Marcel Olbert analysierte die aktuelle Finanzpolitik der Bundesregierung.

Der Wissenschaftler untersuchte unter anderem, wie der Kapitalmarkt auf die Ankündigung der 61 deutschen Unternehmen reagierte, die mit der Initiative „Made for Germany“ zusicherten, 631 Milliarden Euro im eigenen Land zu investieren. Sein Urteil: „Auch die Kapitalanleger halten den eingeschlagenen Kurs für positiv, es gibt also Anzeichen für eine positive Trendwende, doch handelt es sich nur um moderate Anreize für mehr Wachstum bei begrenzten finanziellen Mitteln.“

Ein großer Wurf sei das nicht, doch Olbert, der lange im Ausland lebte und arbeitete, fügte ein persönliches Fazit hinzu: „Jammern nützt nichts, wir müssen jetzt gemeinsam anpacken und die Reformen auch liefern. In anderen vergleichbaren Industrieländern läuft es auch nicht besser, vertrauen wir auf den Standort Deutschland.“ Und auf die HG bezogen: „Vertrauen wir der Mannschaft und unterstützen wir sie in ihrem Kampf um den Klassenerhalt.“

Für den Mittelstand zu wenig

Matthias Rohr gab den HG-Partnern konkrete Ratschläge, was nun zu tun ist.

Matthias Rohr, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bei der Steuerberatungsgesellschaft Moore TK und ehemaliger Zweitliga-Handballer bei der HG, nahm den Ball von Olbert auf. Rohr hat es täglich mit mittelständischen Unternehmen zu tun und weiß, was sie derzeit bewegt. „Bürokratieabbau, Energiewende, Fachkräftemangel oder auch Spaltung und Krieg sind die Themen, die im Mittelstand vor allem für große Unsicherheit sorgen.“ Er kritisierte – und man sah im Plenum viele Anwesende nicken –, dass die Reformen für den Mittelstand zu spät kämen und zu zaghaft seien: „Für eine echte Trendwende brauchen wir mehr.“

Jugendvorstand Markus Barthelmeß: “Der Aufwand wird immer größer”.

Gleichzeitig empfahl er den Unternehmen, sich in den nächsten Monaten vor allem auf fünf Felder zu konzentrieren: Auftrags- und Investitionsplanung, aufs Schaffen von Reserven und Liquidität („Cash ist King“), auf das Sichern der Nachfolge („den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen“), auf Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Er machte eindrücklich klar, dass Firmen, die heute noch weitgehend auf Papier setzten, schon bald völlig den Anschluss verlieren würden. Wer etwa Fachkräfte benötige, werde von jungen Menschen ignoriert, wenn das Unternehmen nicht digital arbeite. Und Künstliche Intelligenz könne jede Firma besser machen. „Sie sollten sich unbedingt damit beschäftigen“, so sein Rat.

Den finalen Treffer eines für die HG-Partner sehr interessanten Abends mit hohem Nutzwert setzte Torsten Kessler von der „Innovationsagentur evermind“ aus Leipzig, die sich darauf spezialisiert hat, Unternehmen bei der Suche nach Fördertöpfen und der Beantragung von Fördermitteln für Forschung & Entwicklung, Personal oder Sachkosteninvestitionen zu unterstützen.

Keine professionellen Trainingsbedingungen

Drittliga-Trainer Christoph Lahme appellierte leidenschaftlich an die Partner und Fans, die Mannschaft in den nächsten wichtigen Partien lautstark zu unterstützen.

Natürlich nutzte die HG den Abend auch, um die aktuelle sportliche Situation zu beleuchten. So verwies Jugendvorstand Markus Barthelmeß auf die Tatsache, dass die Jugendteams wieder in den höchsten deutschen und baden-württembergischen Spielklassen und damit in ganz Süddeutschland unterwegs seien. „Wir gehören zu den Besten im Jugendhandball, aber der Aufwand wird immer größer“, sagte er.

Sein Vorstandskollege Michael Zipf erwähnte weitere Erfolge, etwa die aktuelle Siegesserie der Damen, den ungebrochenen Zulauf im Kinderhandball und den gerade unter großer Anteilnahme der Politik gefeierten 3. Geburtstag der inklusiven Handballmannschaft, der HG-Unified-Hyänen. Er hatte zudem ein Update zum geplanten „HG-Zukunftscampus“, der zum Ziel habe, Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum lebenslangen Sport zu motivieren, und gleichzeitig die schwierige und wenig professionelle Lage fehlender Trainingskapazitäten verbessern soll.

Headcoach Christoph Lahme bedankte sich schließlich bei den Partnern für die Unterstützung und bat sie leidenschaftlich, seine von Verletzungen geplagte Mannschaft gerade in den kommenden Wochen „lautstark nach vorne zu peitschen“. Am 7. und 14. Dezember stehen nämlich zwei Heimspiele gegen direkte Konkurrenten um den Klassenerhalt an. „Nur zusammen schaffen wir die Trendwende.“

Bilder: Siegfried Brombach

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