Auch HG setzt vollständig aus

In nur rund acht Stunden kam am letzten Donnerstag der komplette Handball-Spielbetrieb in unserer Nation zum Erliegen, ja letztlich sogar praktisch der gesamte Wettkampfsport. Dies gilt auch uneingeschränkt für die HG Oftersheim/Schwetzingen.

Zuvor war vermeldet worden, dass in der HBL, der Handball-Bundesliga, und bei der HBF (Vereinigung der Frauen) der Spielbetrieb am letzten Wochenende ruhen werde (1. Liga hat Länderspielpause, 2. Liga hat zwei Spieltage komplett storniert, HBF hat für dieses Wochenende abgesagt). I den Staffeln der 3. Liga – von einzelnen Absagen abgesehen – sollte komplett weitergehen. So auch bei der HG Oftersheim/Schwetzingen mit ihrer Begegnung gegen den SC DHfK Leipzig. Ebenso in der Jugend-Bundesliga (JBLH), wo die A1 den TV Bittenfeld erwartet hätte.

Verlegung nur bei schriftlicher Anordnung

Die zuständige spielleitende Stelle beim Deutschen Handballbund, vertreten durch Rechtsanwältin Melanie Prell, teilte am frühen Donnerstag mit: „Nach interner Rücksprache findet der Spielbetrieb an diesem Wochenende wie geplant statt. Dabei kann gegebenenfalls auch ohne Zuschauer oder in anderen (auch nicht abgenommenen) Hallen gespielt werden. Sollte dies durch Behörden untersagt werden oder alle Hallen gesperrt sein, müssen diese Anordnungen schriftlich vorgelegt werden. Nur dann werden die Spiele zunächst abgesetzt und zu einem späteren Zeitpunkt gespielt.“

Bereits am Mittwoch war die Partie des TV Großwallstadt gegen Dutenhofen/Münchholzhausen II seitens des Gastgebers ausgesetzt worden. Die Pressestelle des Vereins schrieb: „Entsprechend der Allgemeinverfügung des Freistaates Bayern ist die Untermainhalle in Elsenfeld für Veranstaltungen bis 19.04.2020 gesperrt.“ Aus Bad Neustadt, ebenfalls in Franken gelegen, kam zunächst die Mitteilung, dass die dortige Partie des HSV gegen Großsachsen vor leeren Zuschauerrängen durchgeführt werden soll.

Völlig konträr dazu die Mitteilungen aus Südhessen. Das freitägliche Nachbarschaftsduell der HSG Bieberau/Modau gegen den TV Kirchzell sollte wie geplant über die Bühne gehen. Seitens der zuständigen Stelle des Landkreises gäbe es keinerlei Einwände. HSG-Manager Georg Gaydoul erwartet dabei rund 700 Zuschauer: „Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen sollen eingehalten werden und genügend sanitäre Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden.“

Landesverbände sprechen sich ab

Doch allmählich wurde klar, dass sich im Hintergrund etwas tat und auch von anderen Sportarten war im Laufe des Tages von immer neuen Absagen zu erfahren, die allesamt dazu dienen sollen, die Welle der Infektionen abzuflachen, in der Zeit zu strecken. Dann preschte nachmittags der Pfälzer Handballverband vor und vermeldete den vorläufigen Abbruch der Runde über alle Altersklassen. Etwa eine Stunde später kam dann die Mitteilung einer konzertierten Aktion, die auch von HG-Chef Peter knapp in seiner Eigenschaft als badischer Verbandspräsident mitgetragen wurde.

Mehrere Landesverbände sowie Handball Baden-Württemberg gingen damit an die Öffentlichkeit, hätten in den jeweiligen Gremien mit sofortiger Wirkung beschlossen: „Den Jugendspielbetrieb für die Saison 2019/2020 zu beenden, den Spielbetrieb der aktiven Mannschaften bis auf Weiteres auszusetzen, nicht notwendige Veranstaltungen, wie Sichtungen, Sitzungen, Tagungen, Fortbildungen bis auf Weiteres auszusetzen oder als Telefonkonferenzen abzuhalten. Spätestens zum 19.04.2020 wird über eine mögliche Wiedereinsetzung des Spielbetriebs der aktiven Mannschaften und der Wertung der Saison 2019/2020 in den jeweiligen Landesverbänden entschieden und die Entscheidung veröffentlicht.“

Die Landespräsidenten verkündeten weiterhin: „Auch wenn wir wollten und könnten, wir schaffen es nicht mehr aufgrund der unterschiedlichen Entscheidungen auf kommunaler Ebene bzw. der Gesundheitsbehörden vor Ort, einen flächendeckenden Spielbetrieb aufrecht zu erhalten und durchzuführen. Prävention ist keine Hysterie und Ignoranz kein Mut.“ Die restlichen Landesverbände und länderübergreifende Oberligen folgten in ähnlicher Form.

So hätte nur noch die 3. Liga ihren Betrieb aufrechterhalten. Setzten dann sowohl die die Bundesligen veranstaltenden Verbände sowie die genannten Maßnahmen den DHB, der einzig für 3. Liga, JBLH und Nationalmannschafts-Maßnahmen zuständig ist  unter Druck? Jedenfalls folgte dann bald der DHB auch mit der Absage der Begegnungen unter seiner Obhut: „Nachdem sich heute die Ereignisse überschlagen haben und die Ligen und Landesverbände bezüglich deren Spielbetriebs entsprechende Meldungen veröffentlicht haben, hat der DHB intern folgende Entscheidung getroffen: Aufgrund der aktuellen Entwicklungen in Bezug auf das Corona-Virus werden die angesetzten Begegnungen der 3. Liga und der Jugend-Bundesliga an diesem Wochenende abgesetzt.“ Später wurde dies noch verlängert, vorerst ist kein Drittliga-Handball mehr zu erwarten.

Klärungsbedarf bei Trainern und Spielern

So gab es dann in vielen donnerstäglichen Trainingseinheiten erst mal Klärungsbedarf, dann häufig wie bei einigen HG-Teams, eine Beschäftigung mit des Handballers liebsten Sportgerät, dem Fußball. Ansonsten sollte in der Regel der Betrieb aufrecht erhalten werden. „Man weiß ja nie, wie es genau weiter geht“, meinte die Coaches. Inzwischen wurde aber beschlossen, dass zumindest bis Monatsende der Übungsbetrieb nicht mehr in den Hallen aufrechterhalten wird.

Selbstverständlich wollten alle ein Fortsetzung des Spielbetriebs. Notfalls auch über das ursprüngliche Saisonende hinaus. Das ist vermutlich wesentlich besser als Hanteln zu stemmen, Waldläufe zu absolvieren oder Grundlagen einzustudieren. Die Prognose, verfolgt man die Aussagen der Robert-Koch-Instituts in Berlin, sind da hingegen eher düster. mj