Nach der knappen 29:30 (10:14)-Niederlage steht die HSG St. Leon/Reilingen auch nach dem zweiten Spieltag in der Handball-Badenliga weiterhin mit leeren Händen da. Eine unterirdische Chancenverwertung (zwölf verworfene „Freie“) seitens der Gastgeber war mit das entscheidende Kriterium für den recht bitteren Spielausgang. Allerdings täuscht das blanke Ergebnis über den tatsächlichen Verlauf der Begegnung hinweg.


In dem Duell zweier Teams, denen eine Reihe von Leistungsträgern in ihren Reihen fehlten, hatte die HG einen absoluten Traumstart. Gegen die zunächst recht defensiv agieren HSG-Deckung durfte Thorsten Micke fast nach Belieben Schalten und Walten. Sechs Treffer bis zum 4:10 gingen allein auf das Konto des Halblinken. Ein Doppelschlag von Alexander Leibnitz von Halbrechts und ein Treffer von Denis Kalabic sorgten für den höchsten Rückstand der Hausherren.
Dann schwand allmählich die bisherige Zufriedenheit von HG-Coach Frederik Fehrenbach: „Wir haben es lediglich 20 Minuten geschafft, das Vorgenommene umzusetzen. Glücklicherweise brachten wir den Vorsprung über die Zeit. Es fehlen im Moment wegen der langen Verletzungsliste einfach die Alternativen. Der eine oder andere hat wohl zu diesem Zeitpunkt gedacht, das Ding sei schon durch und wir haben uns nach der Manndeckung gegen Micke zu sehr in Einzelaktionen verstrickt.“ Fehrenbach hatte seine Lücken mit A-Jugendlichen aufgefüllt, die gleich ins kalte Wasser geworfen wurden.
Ausfälle waren aber auch ein Grund, warum HSG-Trainer Bernd Feldmann wenige Möglichkeiten für taktische Umstellungen zur Verfügung hatte. Außerdem hatte sich Keeper Simon Gabrys beim Warmlaufen eine schmerzhafte Rückenverletzung zugezogen. Trotzdem ging dann so etwas wie ein Ruck durch das HSG-Team. Gestützt auf eine nun aggressivere, kompaktere Defensive kam es zum einen oder anderen Ballgewinn und erzielte durch Tempogegenstöße einfache Tore, war bald wieder einigermaßen in Reichweite (9:13).
Nach dem Seitenwechsel verlief die Begegnung überwiegend ausgeglichen. Während die HSG sich in der Offensive nun immer wieder klare Torchancen erspielte, war sie in der Defensive wieder zu nachlässig und unkonzentriert und ermöglichte dem Gegner einfache Tore. Die Gäste wirkten in dieser Phase recht clever, nutzten ihre Chancen konsequenter, hielten fast problemlos ihren Vorsprung.
Erst in der letzten Viertelstunde wurde die Begegnung noch einmal spannend. Durch eine taktische Umstellung auf eine 4:2-Defensive brachte St. Leon/Reilingen die HG aus ihrem Spielkonzept. Schnelles Umschalten von Abwehr auf Angriff und ein konsequenteres Ausnutzen der Torchancen ließen den Rückstand schmelzen. Doch Fehrenbach nahm mit einer Auszeit dem Gegner den Wind aus den Segeln. Mit Eins-gegen-Eins-Aktionen zogen seine Leute wieder davon, zwei abschließende Wurfgranaten von Micke sicherten den Auswärtserfolg. Janosch Menger und Lucas Schmitt durften in der letzten Minute nur noch verkürzen, bevor die Zeit runtergelaufen war.
„Mit diesem Saisonstart können wir nach unserer schwierigen Vorbereitung allerdings mehr als zufrieden sein“, freute sich Fehrenbach, hofft aber auf Rückmeldungen verletzter Akteure – wie auch sein Gegenüber Feldmann – und etwas mehr Konstanz.

HSG: Jacobs, Gabrys (n. e.); Frank, Becker (3), Schmitt, Y. Benetti (1), J. Antl, Kikillus (6), J. Menger (6), Manke (4), Bujdos (4), Decker (3/1).
HG: Herb, Gärtner; Leibnitz (7), Micke (9), Siegel (1), Lux (1), Kalabic (1), Hakic, Klink (5), Gerischer, Hirsch, Lahme (6/2), Hahne.
Schiedsrichter: Stasch/Hofmann (Viernheim).
Siebenmeter: 2/1:2/2.
Zeitstrafen: 6:8 Minuten.
Spielfolge: 1:5, 2:9, 4:13, 10:14 (HZ), 18:24, 24:25, 25:28, 27:30, 29:30. mj/krau