Die Drittliga-Handballer der HG Oftersheim/Schwetzingen wankten nach starkem Spielverlauf wieder einmal kurz, brachten aber letztlich mit 27:25 (13:10) ihren Gegner TV Hochdorf unter Kontrolle – und dies trotz einiger misslichen Nachrichten im Vorfeld.

„Auf diese kurzfristigen Ausfälle waren wir nicht vorbereitet“, bekannte Trainer Holger Löhr. Erst hatte sich Julian Zipf krank abgemeldet, war gar nicht in der Halle erschienen, blieb im Bett. Lange Gesichter dann beim Aufwärmen, als sich Daniel Hideg mit Problemen an der Achillessehne meldete. Aber es war nichts zu machen. Er wurde von Spielberichtsbogen gestrichen, andere nachnominiert. Beschäftigungslos war der Shooter aber trotzdem nicht. Er schoss jetzt Videos statt Toren und postete die umjubelte Schlussszene im Internet. „Wir mussten improvisieren“, und Löhr befand, dass das Trainerteam der HG dies recht gut hinbekommen hätte. „Wir haben gezeigt, dass wir von der Breite her so aufgestellt sind, dass wir drei Ausfällen kompensieren können.“ Denn Justus Mehl war schon letzte Woche nicht in der Lage gewesen zu spielen, hinzu darf noch Adrian Fritsch als Dauerausfall gezählt werden.

„Alle die da sind, sind müssen mehr Gas geben“, lautete dann die Forderung vor dem Match. So sollten und wollten andere in die Bresche springen. Dies gilt nicht für Tom Jansen. Der ehemalige Hochdorfer war von sich aus gut motiviert. Von den ersten fünf HG-Treffern gingen vier auf sein Konto. Lukas Sauer hatte als Spielmacher und Strafwurfvollstrecker alle Hände voll zu tun (vom Gegner gemeinsam mit TVH-Mittelmann Tim Götz als „bester Feldspieler“ geadelt). Zwischendurch war die Wurfkraft von Christian Fendrich gefragt. Er hatte unter der Woche bekanntgegeben zum (Noch)-Badenligisten SG Heddesheim zu wechseln. Er soll dort mit Sandro Pagliara – war zu seiner Jugend-Bundesligazeit ebenfalls bei der HG – das künftige Duo auf Halbrechts bilden, in welches die SGH-Verantwortlichen viel Hoffnung setzen.

Dann setzte Lino Messerschmidt Akzente. Er wirbelte nicht nur am Kreis, sondern ließ auch seine Qualitäten im Rückraum aufblitzen. Er sorgte damit für die Treffer zum 8:6, 10:7 und 11:7. Es war jene Phase, in der die Hausherren sich ein kleines Polster schafften, welches sie lange begleiten sollte. Dazwischen bewies auch Daniel Unser im Tor, dass er nicht zum alten Eisen gehört, spielte frisch und munter mit.

„Fast die gesamte Spielzeit war die HG einen Ticken besser, deshalb ist ihr Sieg auch verdient. Wir haben uns in der ersten Halbzeit schwer getan, ihre Abwehr zu knacken, das lief in der zweiten besser“, meinte Steffen Christmann, der den TVH coachte. „Uns war klar, dass wir die anfängliche Abwehrleistung in dieser Konstellation nicht über 60 Minuten durchbringen. Aber es war weiterhin kämpferisch überragend und wir haben taktisch gut reagiert“, kam es aus den anderen Ecke von Löhr. Der TVH traf zwar öfter, kassierte hinten aber auch mehr als vor der Pause.

Doch wie schon öfter strauchelten die HG-Akteure im Finale kurz an sich selber. Ein Fehlpass hier, einmal zu schnell abgeschlossen, manchmal hinten nicht aufgepasst – in Überzahl kam Hochdorf nach 23:19 (48.) und 24:21 (53.) erst heran (54.) und zog dann gleich (56.). Doch damit kennen sich die Oftersheim/Schwetzinger aus, blieben ruhig. Lukas Sauer geht über den Rückraum, Unser kassiert den nächsten Ball ein und Simon Förch  krönt seine Tagesleistung mit einem Freiwurf unter Zeitspielandrohung zum 26:24. Doch 40 Sekunden verbleiben noch, sieben nur brauchen die Pfälzer, um per Schneller Mitte den Anschlusstreffer zu markieren. Bei folgender offener Manndeckung, wird der Ball schnell von Mann zu Mann weitergeleitet, landet letztlich bei Lukas Sauer, der auf der Mitte durchbricht – Endstand.

In den finalen zehn Sekunden darf sich dann Kapitän Unser noch zweimal auszeichnen, bevor er mit seinen Männern (verhalten) in Jubel ausbricht (alles im HG-Facebook-Video von Hideg zu sehen). „Mit unseren Keepern war ich sehr zufrieden. Daniel parierte in der ersten Halbzeit stark, hatte elf Paraden. In der zweiten wurden beide ständig vor neue Aufgaben gestellt, die sie aber immer in kurzer Zeit gut gelöst bekamen“, gab es dann auch Lob von Torwart-Trainer Michael Braun.

„Dass es noch einmal so knapp wird zeigt, dass unsere Moral intakt ist. Es war eine Riesensteigerung im Vergleich zum Hinspiel“, nimmt Christmann mit auf den weiteren Weg Hochdorfs im Abstiegskampf. Für Löhr war dieses Duell indes „ein Schlüsselspiel. Wir wollten das Derby annehmen und zeigen, dass wir uns einen Schritt nach oben orientieren und nicht nach hinten schauen wollen“.

HG: Unser, Gabel; Jansen (6), Lukas Sauer (9/5), Gartner, Barthelmeß, Fendrich, Förch (4) Rudolf, Alexander Sauer (1), Messerschmidt (4), Krämer (1), Suschlik (1), Körner (1). mj