Über den Ausgang dieser Drittliga-Handball-Partie besteht sicherlich kein Zweifel im Meinungsbild. Während das 29:29 (18:14) für die einen mit Sicherheit ein verlorener Punkt ist, war es für die anderer klart ein gefühlter Sieg, der dann auch entsprechend bejubelt wurde. 60 Minuten lang führte Gastgeber HG Oftersheim/Schwetzingen (teilweise deutlich) und musste dann zusehen, wie Marcel Lenz nach dem offiziellen Spielende seinen siebten Siebenmeter (ohne Fehlwurf) verwandelte.

Mehrfach durfte die HG vier oder fünf, einmal gar sechs Tore Polster für sich in Anspruch nehmen, dennoch ließ sie sich im Endeffekt die Butter vom Brot nehmen. Schon nach dem guten Start (die beiden Daniels, Unser im Tor und Hideg im Angriff, sorgten fast im Alleingang für das 8:4) wurde dem Gast die Möglichkeit eingeräumt wieder aufzuschließen, was er auch dankend annahm. Doch bei allen eingeholten Vorsprüngen wahrte der Hausherr immer die Führung

Das Spiel zeigte aber auch wieder auf, dass bei der HG nicht alles der Ergebnisorientierung unterliegt. In der zweiten Halbzeit wurden die Außenpositionen nämlich von den A-Jugendlichen Max Barthelmeß und Kevin Suschlik besetzt. Beide hatten ihre lichten Momente. So als Barthelmeß Zeitstrafen reif gefoult wurde, einen Siebenmeter herausholte, den Hideg zum 22:18 verwandelte. Oder Suschlik die Bälle über den Rückraum kommend zu den HG-Toren 25 und 26 einschweißte. Aber beiden unterliefen auch Fehler. Am auffälligsten und folgenreichsten dann jener Fauxpas des Birkenauers Suschlik gegen Ende.

Der TSB hatte sich – ausgehend von einer Unterzahlsituation – zum wiederholten Male wieder heran gekämpft und es kam zum Showdown der letzten zwei Minuten. Zunächst verweigert Hideg eine Einwurfmöglichkeit zum 30:28, bevor Unser mit einer weiteren Glanztat nach einem Wurf von Rechtsaußen die minimale Führung verteidigte.

Auszeit HG – noch 27 Sekunden zu spielen. Die Gegenseite hatte eine offene Manndeckung angeordnet, trotzdem gelingt der Durchbruch, der freie Suschlik bekommt den Ball in den Lauf und scheitert.  Timeout TSB – noch neun Sekunden stehen auf der Uhr. Horkheim kommt mit sieben angreifenden Feldspielern auf den Oftersheim/Schwetzinger Kasten zugestürmt und letztendlich wurde ein Abwehrvergehen des ebenfalls nur 19-Jährigen Tom Jansen mit einer Siebenmeter-Strafe belegt.

Bitter, aber Co-Trainer Mathias Polifka wusste den Verlauf, den Spielausgang und dessen Zustandekommen einzuordnen: „In der ersten Halbzeit haben wir im Angriff wohl mit das Beste in dieser Saison auf die Platte gebracht. Das hätte Sicherheit bringen können. Doch es fehlte die Kontinuität, die Struktur ging verloren, wir verstrickten uns in Einzelkämpfe“, umschreibt er grob die Ausgangslage für die letzten Sekunden. „Wenn Kevin das Ding rein macht, gewinnen wir. Aber die Jungs brauchen  Spielpraxis, müssen ihre Erfahrungen im Rahmen ihrer Weiterentwicklung machen. Und da muss man ihnen zugestehen, dass Kevin, wie auch Max, mal frei verwirft – hopp oder top eben.“ Dies unterlief schließlich auch anderen und nicht nur in dieser Partie.

Horkheims Coach Jochen Zürn wollte sich in einer Hinsicht auf keine Diskussion einlassen. „Ob verdient oder nicht ist egal, das gibt es im Sport nicht. Aber es war hier ein schöne Kulisse und beide Seiten haben den Zuschauern etwas geboten.“ War der erste Durchgang nach Geschmack des HG-affinen Lagers, fand er keine Gnade vor Zürns Analyse. „Sieben Freie verworfen, Abwehr zu passiv, Hideg nicht in den Griff gekriegt, auch Jansen sehr effektiv“, zählte er auf. „Und Mitte der zweiten Halbzeit hat wohl keiner einen roten Heller auf uns gesetzt. Aber der Glaube ist wichtig. Wir bekamen mehr Zugriff, setzten mehr Härte ein, kamen zu Ballgewinnen und das Umschaltspiel funktionierte.“ Zur Schlussszene meinte Zürn: Der siebte Feldspieler ist ein Vabanquespiel, reine Glückssache eben.“

HG: Unser, Gabel; Barthelmeß, Messerschmidt (3), Jansen (5), Rudolf (1), Förch (2), Zipf (1), L. Sauer (3), Krämer, Suschlik (2), A. Sauer (2), Körner, Hideg (10/3). mj