Mit dem zweiten Auswärtssieg in Folge kann sich die Bilanz der HG-Handballer Oftersheim/Schwetzingens zwischenzeitlich durchaus sehen lassen. Schließlich bezwang sie den amtierenden Vizemeister TSB Horkheim auf dessen ureigensten Terrain mit 27:24 (10:11).


Dieser Erfolg hatte aber auch seinen Preis. Daniel Hideg wird in nächster Zeit nicht mehr in der Lage sein, mitzuwirken. Er schied ziemlich genau zwei Minuten vor Abpfiff mit Nasenbeinbruch aus. Nach dem verpflichtenden Besuch in der Heidelberger Kopfklinik meldete er sich aber noch am Samstag an der Basis zurück: „Da muss ich jetzt durch. Wenn die Schwellung abgeklungen ist, wird die Nase operiert.“ Er sah keinerlei Vorsätzlichkeit bei der recht ungeschickten Abwehraktion seines Gegners, der dafür Rot sah und sich dafür auch mehrfach ausgiebigst entschuldigte. Den dazu fälligen Siebenmeter verwandelte Lukas Sauer souverän und abgeklärt zum 25:23 für die HG. Es war noch nicht die ganze Vorentscheidung.
Väter des Erfolges gibt es wie immer viele und in erster Linie steht natürlich das Kollektiv, die Gesamtheit des Teams, das gut miteinander gearbeitet hatte, im Mittelpunkt. Aber Marius Gabel sollte doch ein wenig hervorgehoben werden. TSB-Coach Jochen Zürn bemühte in eben dieser vorletzten Minute seine letzte Grüne Karte. Egal was er seinen Leuten mit auf den Weg gegeben hatte, hinten stand Gabel, dessen Qualitäten einmal mehr auch als Sprinter gefragt waren, und blockte einen Wurf aus der Rückraummitte ab. Es war sein zehnter gehaltener Ball seit er ab Minute 37 zum Zuge gekommen war.
Seine Leistung wurde auch nicht dadurch geschmälert, dass er wegen eines Wechselfehlers in der Hektik um den Austausch des siebten Feldspielers, zwei Minuten Strafzeit abbrummen musste. „Ich geb‘ halt immer Vollgas, nur diesmal eben zu früh“, kommentierte er seinen Ausrutscher und gelobte Besserung. Nach Gabels finaler Rettungstat war es dann Adrian Fritsch vorbehalten, mit dem 23:26 bei noch knapp 60 verbliebenen Sekunden für die Gäste alles klar zu machen. Er findet nach seiner Verletzungspause immer besser ins Team zurück.
Aber so klar war die ganze Geschichte nicht verlaufen. HG-Trainer Holger Löhr gestand später ein: „Das Spiel hätte auch kippen können. Aber so muss Handball sein, immer spannend. Es muss aber nicht immer schön anzuschauen sein.“ Wobei er auch zugab: „Ich brauche so ein Spiel in dieser Intensität nicht jeden Tag.“ Denn sein Team hat beim 17:14 (37.) danach ausgesehen, als ob es endgültig auf die Verliererstraße geraten würde. Eine Auszeit, der Einsatz des siebten Feldspielers (Löhr: „Es war die einzige Option.“) und gradliniges Angriffsspiel brachten schnell die Wende (17:19/43.). Ein Erfolgsmodel dabei die Achse Simon Förch – Niklas Krämer. Mehrfach steckte der Mittelmann seinem noch jugendlichen Kreisläufer die Bälle im rechten Moment durch. Aber es ging auch anders. Förch passt auf Krämer, an diesem prallt das Wurfgerät ab und Förch vollendet selbst in Kreisläufermanier.
„Eigentlich liegt uns Horkheims Spielweise, trotzdem haben wir uns schwer getan“, blickte Löhr in der Analyse noch einmal besonders auf die erste Halbzeit zurück, die eher handballerische Magerkost bot. Nur zwei Tore fielen in den ersten acht Minuten. „Es zeigte, dass die Abwehrreihen inklusive ihrer Torleute solide gearbeitet haben.“ Pfosten, Daniel Unser auf HG-Seite und Pascal Welz beim TSB verhinderten einiges an Einschlägen, so dass die Spannung ständig hochgehalten wurde. Verständlich, dass Zürn dann auch die Chancenverwertung der Seinen als einen Knackpunkt aus gemacht hatte. „Außerdem haben wir unsere Drei-Tor-Führung viel zu schnell weggeben“, zürnte er und erkannte an: „Oftersheim/Schwetzingen hat insgesamt das Torhüter-Duell gewonnen. Da ist der Drops dann ziemlich schnell gelutscht. Wir haben uns zwar für sieben, acht Tore mehr klare Möglichkeiten erarbeitet, aber wir machen sie nicht.“ Löhr brachte noch ein zusammenfassendes Lob an: „Ordentliche Performance Männer.“



TSB: Welz, Matthes; Lenz (1), Schmid (1), Grosser, Möck (2), Strobel (2), Kazmeier (3), Seiz (6/3), Freudl (3/1), Boschen (5), Zerweck (1), Bohnenstengel.
HG: Gabel, Unser; Messerschmidt (2), Zipf, Rudolf (2), Förch (4), L. Sauer (3/1), Krämer (3), Fritsch (4), Mehl, A. Sauer (1), Körner, Hideg (8).
Schiedsrichter: Beyer/Jakob. Siebenmeter: 6/4:1/1. Zeitstrafen: 8:10 Minuten.
Spielfolge: 6:8, 9:8, 11:10 (HZ), 13:13, 17:14, 17:19, 19:22, 22:23, 24:27. mj