HG Oftersheim/Schwetzingen – HBW Balingen-Weilstetten II 24:23 (11:11)

Es kommt wohl nicht allzu häufig vor, dass beide Handball-Trainer nach einer Drittliga-Partie zunächst ihren Unmut äußern, dann aber doch der ganzen Geschichte etwas Positives abgewinnen können. So Holger Löhr von der HG Oftersheim/Schwetzingen, weil sein Team mit 24:23 (11:11) mal wieder hauchdünn siegte. Und André Doster vom unterlegenen Gegner HBW Balingen-Weilstetten II, weil er jetzt wisse, wo er mit seinem Team stünde und seine Spieler im Angriffsverhalten viel Qualität gezeigt hätten.

Es war ein Fight um jeden noch so kleinen Vorteil. Selbst in der berüchtigten „Crunch-Time“, jenen letzten zehn Minuten, wenn oft die Kondition wichtig ist, fiel die Entscheidung erst in den allerletzten 100 Sekunden nach dem 22:22 durch Justus Mehl (56.). HG-Torhüter Marius Gabel hatte den flinken Rechtsaußen nach einer seiner Paraden auf die Reise geschickt. Die folgende dreiminütige Torflaute verlief allerdings alles andere als ereignisarm. Zunächst parierte Oftersheim/Schwetzingens eingewechselter „Senior-Keeper“ Daniel Unser einen von Jan Bitzer geworfenen Siebenmeter, Mehl scheiterte im Gegenzug an Balingens Ex-HG-Tormann Joans Baumeister, Simon Förch wurde der Angriff mit Schritten abgepfiffen, dazwischen musste Gabel erneut zweimal retten. Überhaupt ging zumindest in Hälfte 2 das Torhüter-Duell zugunsten des 20-Jährigen aus. Insgesamt 17/1 Mal wehrte den Ball ab, Baumeister hielt 11-fach seinen Kasten sauber.

Lukas Sauer war aus dem Rückraum dann der Treffer zum stark umjubelten 23:22 vorbehalten,  Förch legte eine Zeigerumdrehung später das 24:22 von halbrechts nach. Lukas Saueressig verkürzte noch einmal 20 Sekunden vor Abpfiff, bevor Löhr mittels Auszeit, die Nerven aller beruhigte (59:50). Doch seine Jungs erlaubten sich in abgezockter Manier keinen Fehler mehr.

Schon zu Beginn hatte sich ein munteres Spielchen entwickelt, ohne große Vorteile für eines der Teams (6:6, 9:6, 9:10, 12:13, 15:13, 18:17). Nur gut 200 Zuschauer wollten diesen Vergleich vor Ort verfolgen, aber diese standen wie ein Mann hinter ihrer Mannschaft. Doch es blieb fast über den gesamten Spielverlauf torarm – und dies hatte seinen Gründe nicht nur in den starken Torhütern beider Seiten. In den HG-Standardspielzügen passiert meist zu wenig Überraschendes, und wenn doch einmal, dann ging es meistens schief. Der HBW-Positionsangriff präsentierte sich teils recht dynamisch, knipste aber etliche Fahrkarten weit am Gehäuse vorbei. Und genau hier setzte die Kritik der Coaches an.

„Wie lange ich damit noch hadere, was hier mitzunehmen möglich gewesen wäre, weiß ich noch nicht. Das ist sehr, sehr schade“, eröffnete Doster die Schelte. Er hatte mindestens 20 Fehlwürfe und 10 technische Fehler in Erinnerung. „Also über 30 vergebene Angriffe. Dabei hatten wir beim 18:19 das Momentum auf unserer Seite, sind aber fahrlässig mit unseren Chancen umgegangen, haben uns überhastete, übermütige Würfe genommen und haben die HG wieder eingeladen. Aber die Fehlerquote war auf beiden Seiten hoch. So etwas habe ich lange nicht mehr in der 3. Liga gesehen.“

Dem hatte Löhr nur wenig hinzuzufügen. „Ich kann mich André nur anschließen. Das war weit weg von dem, wie ich mir Handball vorstelle. Es wurde auch wenig auf meine Anweisungen reagiert, besonders in der Abwehr. Das lief in der Vorbereitung besser. Wir haben auch kaum Eins-gegen-Eins-Situationen gewonnen, bekamen die Kreuzbewegungen nicht so gut gelöst.“ Ebenso ging die Umsetzung der Varianten mit einem siebten Feldspieler nach dem 17:15 diesmal schief. Im HG-Angriff schlichen sich zwei technische Fehler ein und so wurde auch Baumeister als Torschütze registriert.

Doch die Übungsleiter pickten wie eingangs erwähnt auch das Positive heraus. Doster meinte: „Ich bin nicht ganz unzufrieden. Wir haben Oftersheim/Schwetzingen in lange Angriffe gezwungen. Ein Unentschieden wäre vielleicht gerecht gewesen. Aber wir müssen bodenständig bleiben, haben ein junges Team praktisch als Ausbildungsmannschaft.“ „Ich bin schon stolz, dass die Jungs in den schwierigen Situationen Lösungen gefunden, dagegengehalten haben“, lobte Löhr. „Auch die wenigen Gegentore sind okay.“

Zu den Torhüterleistungen meinten die Coaches: „Jonas war ganz okay. Es ist hier nicht einfach für ihn, es ist ein besonderer Druck, denn es wird bei seinem Stammverein viel von ihm erwartet“, ordnete Doster ein. Löhr hatte Gabel den Vorzug gegeben: „Marius hat einen Sprung nach vorne gemacht, während Daniel Unser wegen Verletzung und nun zuletzt einer Erkrankung noch etwas hinten dran ist. Aber es sind zwei unterschiedliche Typen und mit Max Herb steht ein dritter bereit.“ mj

HG: Gabel, Unser; Barthelmeß, Messerschmidt, Rudolf (2), Förch (6), Zipf (1), L. Sauer (4), Krämer, Mehl (1), A. Sauer (2/1), Körner (1), Hideg (7/1).

HBW: Baumeister (1), Ruminsky; Thomann, Saueressig (7), Soos (2), Bitzer (3), Hemmer (2), Wiederstein (1), Dangers (3), N. Ruminsky, Beckmann (2), Strosack (2).