„Es war eine rundum gelungene Veranstaltung, sportlich wie wirtschaftlich“, freute sich Organisator Jochen Kühnle über den Verlauf des Eingangsturniers zum DHB-Pokal von der ausrichtenden HG Oftersheim/Schwetzingen. Die Überraschungen blieben aus, aber die hochklassigen Partien waren pure Werbung für den Handballsport in Baden. Erstligist Melsungen schnappte sich wie vorhergesehen und vorhergesagt den Einzug ins Achtelfinale.

Auch Holger Nickert, Präsident des Badischen Handball-Verbandes, war voll des Lobes. Denn nicht nur die HG trug eines diese Turniere – oft risikobehaftet – aus, es waren gleich drei Veranstaltungen im nordbadischen Bereich. „Ich bin stolz darauf, diesen Verband zu vertreten. Das spricht für unsere gute Arbeit und für unsere handballaffine Region. Und wir haben Vereine, diese solche Aufgaben, selbstbewusst umsetzen.“

In einer Vorabumfrage war von über 90 Prozent der Leser eines Handball-Fachportals genau dieser Ausgang vorhergesagt worden. Doch in mancher Hinsicht war es enger als vielleicht gedacht. So hatte Neuhausen gegen Melsungen lange mitgehalten und musste als einzige Mannschaft gleich nach dem ersten Spiel wieder abreisen. Ans Weiterkommen im DHB-Pokal glaubte bei den Schwaben ohnehin keiner ernsthaft. Sie seien „zum Lernen in die Spargelregion“ gefahren, hieß es vorab. Trainer Anel Mahmutefendic wollte die Entwicklung seiner Spieler vorantreiben, war wohl auch teilweise gelungen ist. „Niemand hat mich enttäuscht. Die Jungs haben allesamt gezeigt, dass sie in der Vorbereitungszeit Entwicklungsprozesse durchgemacht und sich verbessert haben.“ Doch die Höhe der Niederlage (22:40) lag ihm etwas schwer im Magen.

Auch bei Oftersheim/Schwetzingen gab es am Ende nach dem 23:28 gegen Friesenheim Diskussionen über die Höhe der Niederlage, ansonsten war alles im Lot. Der gelobte HG-Keeper Marius Gabel, der teilweise mit für diesen Spielausgang verantwortlich war, wies indes alle Anerkennungen  von sich: „Es gab genug Bälle, die ich noch hätte halten können, aber an die ich nicht rankam.“ Rückraum-Mann Simon Förch haderte derweil ein wenig mit den entgangenen Möglichkeiten zu Beginn der Partie und nach der Pause. Von der Gegenseite meinte der in Schwetzingen lebende Kreisläufer Kai Dippe: „Die HG hat sich wirklich super verkauft, hat ihre Sache ordentlich gemacht. Wir haben zwischendurch nachgelassen, das darf nicht unser Anspruch sein. Es war eine Warnung für die Saison.“ Aber auch sein Team habe dann gegen Melsungen (25:29) großen Einsatz gezeigt. „Da haben wir alle Bereitschaft gezeigt. Mit ein wenig Glück wäre es vielleicht noch enger verlaufen. Es war jedenfalls ein guter Test für die Runde.“

Allein acht Passfehler hatte Melsungens Co-Trainer Mile Malesevic gezählt, individuelle Ausrutscher seien hinzugekommen. Mit ein Grund warum die Pfälzer vor der Pause kurz geführt hatten. Coach Michael Roth hatte dann aber jedenfalls – ohne seinen Abwehrchef Finn Lemke (Folgen einer Leistenverletzung) – ein „viel bessere“ Deckung seiner Leute ausgemacht. „Wir haben uns dann durchgebissen. Das Wochenende war eine gute Generalprobe.“

Für HG-Chef Peter Knapp war die Veranstaltung – als erklärter Pokal-Gegner – ebenfalls eine rundum gelungene Sache. „Ich muss bei Jochen Kühnle Abbitte leisten, der hat das Szenario besser eingeschätzt und mit seinem Engagement und Einsatz das Turnier zu einem Erfolg werden lassen. Das war äußerst positiv für unser Image, wirtschaftlich kein Verlust und sportlich ein großer Schritt.“ Kühnle verwies hingegen auf das große vielköpfige Team, dass ihm zur Seite gestanden war.  „Die Leute, die Zuschauer und Mannschaften, waren zufrieden und wir haben – auch sportlich – ein gutes Bild abgegeben.“ Das möchte er auch gerne am nächsten Samstag sehen (19.30 Uhr), wenn zum Rundenauftakt HBW Balingen-Weilstetten II in der Nordstadthalle aufläuft.

Dass es übrigens auch im Handball Außenseitererfolge geben kann, zeigt ein Blick nach Ostwestfalen. Ferndorf schaltete als Drittligist erst den gastgebenden Bundesligisten Minden aus und siegte tags darauf auch gegen Zweitligist Emsdetten. Gummersbach flog indes gegen Saarlouis raus. Und Berlin-Reinickendorf wurde erst in der Verlängerung gegen Nordhorn-Lingen seinen Erwartungen gerecht. mj