Oftersheim/Schwetzingen verliert bei Großsachsen nach 23:18-Führung

„Irgendwie haben wir die Linie verloren“, musste Holger Löhr im Trainer-Gespräch eingestehen. „Das ist schade und macht uns etwas traurig, aber dafür sind wir Handballer.“ Seine Drittliga-Männer von der HG Oftersheim/Schwetzingen hatten gerade das prestigeträchtige Derby beim TVG Großsachsen mit 24:27 (13:11) verloren. „Dabei habe weder  ich und auch sonst hat niemand hier auf der Tribüne geglaubt, dass die Jungs das noch aus der Hand geben“, meinte sein Vorgänger Martin Schnetz. „Das war einfach unerklärlich.“

Denn nach Stolperstart dominierte der Gast lange Zeit die Begegnung und sah eigentlich beim 18:23 (48.) wie der kommende umjubelte Gegner aus. Keine vermochte in diesem Moment zu ahnen, dass dieser Treffer von Simon Förch aus dem Rückraum praktisch der letzte für Oftersheim/Schwetzingen gewesen sein sollte.

Doch die HG war schon einmal zuvor etwas ratlos auf der Platte gestanden, war schlecht gestartet. Im Angriff gelang nichts, TVG-Keeper Sandro Sitter ging oft als Sieger hervor, Simon Reisig ackerte als Zerstörer davor, während die heimischen Offensivkräfte zwar etwas mühsam, aber stetig, ein 5:1 herauswarfen (12.). Doch allmählich fand die HG-Marschroute mit dem nun immer wieder eingestreuten siebten Feldspieler guten Nährboden. Besonders Jerrit Jungman und Daniel Hideg wussten die Freiräume als Vollstrecker und Anspieler zu nutzen. Die Partie wurde gedreht und es schien fast so, als ob das dezimierte „Saasemer“ Team schon mit seinen Kräften am Ende war. Auch weil es nun reihenweise in Torhüter Maximilian Herb seinen Meister fand.

Das deutete sich auch nach dem Seitenwechsel an. Oftersheim/Schwetzingen kam mit mehr Schwung aus der Kabine und TVG-Coach Stefan Pohl musste schnell wieder mit Grün reagieren (36.). Dadurch geriet seine Seite zwar nicht weiter ins Hintertreffen, aber mehr schien nicht drin zu sein. Also blieb nur der Griff zur nächsten Auszeit, die zunächst für etwas Verwirrung sorgte. Denn der Gast hatte wohl nun bei Wiederanpfiff insgesamt acht Spieler im Feld und wurde mit einer Bankstrafe belegt. „Das zeigt schon, was hier in der Halle abging“ beschrieb Löhr die angespannte Derby-Atmosphäre vor vollen Rängen. Michèll Hildebrandt nutzte die Gelegenheit zum 18:22. Da auch wegen Fußfehlers anschließend mit Jan Straub ein TVG-Akteur pausieren musste, war wieder Gleichzahl auf dem Feld hergestellt. Und Förch stellte wie erwähnt den alten Abstand her. Das war es dann aber auf einmal für die HG.

Wie das berühmte Kaninchen vor der hypnotisierenden Schlange bewegte sich die HG-Angriffsmaschinerie viel zu statistisch vor der TVG-Deckung. In der Offensive bekam der Hausherr dafür die berühmte zweite Luft, setzte einen Nadelstich nach dem anderen und zog im Endspurt an seinem Konkurrenten vorbei.

„Das war fast eine Kopie des Hinspiels“, freute sich der für den TVG spielende Schwetzinger Jan Triebskorn, der einen hohen Anteil für Großsachsen an diesem erfreulichen Ausgang für sich verzeichnen durfte. „Da haben die HGler wohl bei dieser Kulisse ein wenig den Kopf verloren.“ Er war mit angeschlagenem Fuß ins Rennen gegangen, der sei jetzt völlig am Ende, berichtete er noch. Während sein alter Kumpel Hideg die zwölf torlosen HG-Minuten mit dem wertlosen Treffer 24 beendete, setzte Triebskorn persönlich den Schlussakkord.

Dies reicht allerding nicht für einen Vorteil im direkten Vergleich. Denn in der Vorrunde hatte die HG noch abgefangen und mit 31:26 bezwungen, ein schwacher Trost, der keinem Verlierer so recht zu trösten vermochte. mj

Stenogramm

TVG: Sitter; von Babka (1), Gunst, Fath, Kernaja (2), Triebskorn (6), Schulz (2), Spilger (2), Kadel (1), Straub, Reisig (2), Buschsieper (7/4), Hildebrandt (4).

HG: Herb, Gabel; Barthelmeß (1), Messerschmidt (1), Jansen (3), Förch (3), Zipf (1), Jungmann (7), Suschlik, Demel, Mehl (2), Hideg (6/1), Kubitschek (1)