Dritte Veranstaltung der Interessengemeinschaft Schwetzinger Vereine rund um die Nordstadthalle wird zum großen Fest der Inklusion

"Es ist normal, verschieden zu sein", so lautet das Motto der Lebenshilfe Region Schwetzingen- Hockenheim, das auch prima zu der Veranstaltung "Spiel ohne Grenzen" passte. Begeisterung - so lässt sich ganz einfach beschreiben, was sich am Samstag in der Nordstadthalle und drumherum abspielte. Begeisterung herrschte bei den behinderten und nichtbehinderten Sportlern, die gemeinsam Fußball und Handball spielten - und bei den Zuschauern, weil sie eine herzerfrischende und lebendige Veranstaltung miterlebten - einfach Inklusion hautnah.

Es war das dritte Fest der Interessengemeinschaft (IG) Schwetzinger Vereine in der Veranstaltungsreihe "Unsere Stadt der Möglichkeiten" anlässlich des Stadtjubiläums und stand im Zeichen von Spiel und Spaß für die ganze Familie. In und um die Nordstadthalle wurde ein buntes und abwechslungsreiches Programm zum Schauen, Entdecken und Mitmachen geboten. Federführend für die Organisation war der Fachdienst Inklusion der Lebenshilfe Region Schwetzingen-Hockenheim, der das Fest gemeinsam mit weiteren Vereinen gestaltete.

Höhepunkte waren zweifelsohne die beiden Turniere, vor allem der erste "Unified Fußball-Cup 2016", bei dem Sportler mit und ohne Behinderung um die Pokale kämpften. "Das war eine tolle Sache, wie die miteinander gekickt haben", freuten sich Jens Rückert und Thomas Schmitt, die das Projekt von Anfang an mit betreut hatten.

"Ich glaube, dass wir heute Geschichte schreiben werden", mit diesen Worten eröffnete Bürgermeister Matthias Steffan die Veranstaltung, die insbesondere im Zeichen des Miteinanders von behinderten und nicht behinderten Menschen stehe. "Inklusion heißt Dabeisein für alle und beginnt in unseren Köpfen", sagte er.

 

Schule macht Theater

Im Anschluss der Eröffnung führt die Nordstadtgrundschule das Musical "Der Traum im Schlossgarten" auf. Auffällig waren vor allem die Kostüme und das Bühnenbild, gemalt vom ehemaligen Rektor Bruno Rafflewski. Das Theaterstück war in der Projektwoche von der Musical-AG einstudiert worden. Die Idee einer inklusiven Fußballmannschaft war im Vorfeld des Stadtjubiläums entstanden, Ziel war es, bis 2016 solch ein Team "Unified Fußball Schwetzingen" aufzubauen. Patrick Alberti (Lebenshilfe), einer der Hauptorganisatoren, freute sich: "So eine Mannschaft - das bringt viel mehr als im Unterricht über Inklusion zu reden." Nun stand also das erste inklusive Turnier in Schwetzingen auf dem Programm. Die Vorfreude war, insbesondere bei den Beteiligten, groß. "Wir wollen unbedingt gewinnen," sagten die Brüder Sascha (10. Klasse) und Maxi Müller (6. Klasse).

Den Pokal reckte am Ende eine der beiden Mannschaften aus Emmendingen-Wasser nach oben, die Schwetzinger Mannschaft wurde hervorragender Zweiter. Gewinner waren aber alle. "Es war ja eine Premiere, deshalb wussten wir nicht, wie es funktionieren wird. Aber es lief alles wunderbar", freute sich Stefan Krusche, Behindertenbeauftragter der Stadt. Und auch Mitorganisator Thomas Schmitt war begeistert: "Ich habe das zum ersten Mal erlebt. Es war super, einfach problemlos, wie alle miteinander umgehen."

Das Handballturnier war ein reines Handicap-Turnier. Organisiert wurde es von der Lebenshilfe in Kooperation mit der HG Oftersheim/Schwetzingen. "Wir arbeiten schon lange zusammen", berichtete HG-Vorsitzender Peter Knapp. Die Mannschaft der Schwetzinger Lebenshilfe hatte nur einmal vorher mit HG-Übungsleiter Tobias Kreichgauer trainiert, aber das soll sich ändern, wenn es nach den Beteiligten geht. Denn Mitspieler Ralf Sulski sagt: "Ich mache gerne Sport. Wir trainieren jeden Donnerstag." Und Kollege Vinzent Stürmer verkündete: "Wir wollen auf jeden Fall nach dem Turnier weitermachen." Die Idee einer inklusiven Handball-Mannschaft machte schnell die Runde.

 

Buntes Programm

Parallel zu den Turnieren gab es ein buntes Programm: Auf der Bühne traten verschiedene Bands auf (auch von der Kurt-Waibel- und der Comenius-Schule), es gab Tanzeinlagen der Schwetzinger Carneval- Gesellschaft und der griechischen Gemeinde, sportliche Vorführungen des Budo-Clubs und den Radparcours der RSG Mannheim-Schwetzingen. Der Kindergarten Sonnenblume lud zum Erlebnisparcours ein. Mit Traktor, Dreirad und Rollstuhl mussten die Kinder über Rampen und Kunstrasen fahren - gerade mit dem Rollstuhl eine ganz besondere Erfahrung.

Die DLRG Schwetzingen-Oftersheim-Plankstadt hatte sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Insgesamt fünf Notfallsituationen wurden über den ganzen Tag gezeigt, zum Beispiel "Mädchen läuft in Glasscherbe" oder "Schwimmer hat Wasser in der Lunge". Carlos Krueger, Mitglied der Gruppe Realistischen Unfalldarstellung der DLRG erklärte:. "Wir haben Mimen, die Verletzte spielen und Rettungssanitäter, die sie dann versorgen. Die Besucher werden in den Notfall integriert, indem sie zum Beispiel einen Notruf absetzen müssen." Auch in der Schwimmhalle herrschte Betrieb: Besucher konnten schwimmen und Schwimmabzeichen ablegen. Und der optische Hingucker schlechthin im Schulhof war der Tauchcontainer. "Besucher können von außen zuschauen, wie das Schwimmen und wie eine Rettung funktioniert - und sie bleiben im Trockenen", erklärte DLRG-Vorsitzender Dr. Marc Hemberger. So war "Spiel ohne Grenzen" insgesamt eine großartige Sache, von der auch Bürgermeister Steffan angetan war: "Das zeigt, wie lebendig unsere Stadt ist."

 

© Schwetzinger Zeitung, Montag, 18.07.2016