Ziemlich genau 18 Stunden und 15 Minuten nach dem Startschuss zu "Beat meets Ball XXL" fiel die 500er-Marke. Um 12.15 Uhr am Samstagmittag - die "Kurpfälzer" spielten im Foyer der Nordstadthalle gerade bayerische Weisen zum Weißwurst-Frühschoppen - erzielte Stefan Schöfer von den "Ronaldinos" im Spiel gegen "iib - Institut Innovatives Bauen" das Jubiläumstor des zweitägigen Handball-Benefizevents der HG Oftersheim/Schwetzingen. Bis Mitternacht kamen dann nochmal rund 400 Tore dazu.
Punkt 18 Uhr am Freitagabend erfolgte der Anpfiff zu der außergewöhnlichen Aktion. Den Auftakt machte das Match zwischen den Handballteams der Kommunalverwaltungen aus Oftersheim und Schwetzingen, gecoacht von ihren Chefs Helmut Baust und Dr. René Pöltl. Die Akteure hatten nach zweimal 20 Minuten Spielzeit bereits 40 Treffer für den guten Zweck vorgelegt, das Ergebnis - die Schwetzinger hatten am Ende zehn Tore Vorsprung - war zweitrangig.
Verletzungsfreier Spaß
Im Mittelpunkt stand nämlich weniger der verbissene Kampf um Punkte als vielmehr der gemeinsame, verletzungsfreie Spaß. Die Teilnehmer hatten sich zum Ziel gesteckt, möglichst viele Treffer zu erzielen, denn jeder Schuss in die Maschen bedeutete bares Geld. Und das kommt der Lebenshilfe zugute.
Die Idee entstand Anfang des Jahres beim Zukunftstreffen. "Wir haben uns gemeinsam mit den Jugendlichen überlegt, wie wir unsere -€šVision 2012plus' mit Leben füllen können", erklärt der stellvertretende Vorsitzende der Handball-Gemeinschaft, Michael Zipf. Nach einigen Überlegungen stand fest, dass der Erlös an Menschen mit geistiger Behinderung in Schwetzingen und Oftersheim gehen sollte, denn davon profitieren Kinder und Jugendliche.
Angemeldet hatten sich für "Beat meets Ball XXL" neben verschiedenen HG-Teams (unter anderem die Eltern, der Fanclub und die Allstars) auch Freizeitgruppen, Firmenmannschaften und Ehemalige mit so originellen Namen wie "Mitternachtsmärchen", "Alla Hopp", "Hot Shots" und "Frühbucher", die fast rund um die Uhr (der erste Tag endete gegen 2 Uhr nachts, am nächsten Morgen ging's schon um 8 Uhr weiter) versuchten, möglichst viele Treffer zu erzielen. Die weiteste Anreise nahm Klaus Hügle aus Bayreuth auf sich, der mit der ehemaligen Handball-Mannschaft des Hebel-Gymnasiums antrat. Vor den Augen der Zuschauer absolvierte das Herren-Regionalliga-Team das Abschlusstraining vor dem Spiel beim TSV Deizisau (das die HG gestern übrigens mit 31:28 gewann) und die D-Jugend hatte andere Mannschaften zum Miniturnier eingeladen.
"Die HG-Familie hat wieder mal prima angepackt, und für die gute Sache haben von den Minis bis zu den Eltern alle gemeinsam an einem Strang gezogen", freute sich Zipf, der neben seiner Tätigkeit als Motivator am Mikrofon auch als Spieler mehrere Mannschaften verstärkte. Eine davon waren die "Zipfeschlappe": Das Familienteam, bestehend aus den Brüdern Michael, Stefan und Andreas sowie deren Söhnen wurde angeführt vom ältesten Spieler des Turniers. Vater und Opa Wolfgang präsentierte sich drahtig und agil und brachte mit seinen 73 Jahren die reiche Erfahrung eines erfolgreichen Handballerlebens mit auf das Parkett. Kapitän des gegnerischen Teams war übrigens der mit 71 Jahren zweitälteste Spieler Hans Imhof.
Diese kleinen Geschichten sind es, die den Reiz eines solchen Events ausmachen. Zwei Tage herrschte tolle Stimmung auf dem Spielfeld und auf den Zuschauerrängen. Die Fans feuerten die Aktiven, darunter einige "Neulinge", die zuvor noch nie einen Handball zwischen den Fingern hatten, kräftig an. Zu den Teilnehmern gehörte auch ein integratives Team der Lebenshilfe, das so großen Gefallen an seiner ersten Partie fand, dass es sich spontan für eine zweite Begegnung anmeldete.
Ein weiterer Beweis für den Zusammenhalt der HG-Familie: Rund um die Uhr waren ständig 30 bis 40 Leute im Einsatz. "Aber trotzdem hätten wir das mit unserer Manpower allein nicht geschafft, deshalb haben wir Bernd Kraft und sein Team vom Café Journal für das gastronomische Angebot mit ins Boot genommen", so Zipf. Ausgenommen davon war das Kuchenbuffet, für das wiederum die HG sorgte.
Buntes Rahmenprogramm
In den großen Spendentopf gingen auch die Erlöse aus den Aktionen am Rande des Handballfeldes, dazu gehörten das Avia-Gewinnspiel, das Biostromstrampeln, eine Kooperation der Stadtwerke mit dem Fitnesspark Pfitzenmeier, und der T-Shirt-Verkauf mit dem Eventlogo. Der Eine-Welt-Laden "Senfkorn", eine Chill-out-Ecke des Möbelhauses Höffner, eine Cocktail-Bar, Handball-Minigolf sowie ein Präsentationsstand der AOK ebenfalls mit einem Gewinnspiel komplettierten das abwechslungsreiche Rahmenprogramm.
Für reichlich Bewegung sorgten schließlich auch die Bands: Am Freitag rockten "Lichtpunkt", "The Chaotics" und "some living" die Nordstadthalle, am Samstag heizten "DT+" und besonders "Me and the Heat" in bewährter Weise all denen ein, die nach den anstrengenden Handballspielen aufs Auslaufen verzichteten oder aber jenen, die sich erst zu diesem Zeitpunkt für sportliche Betätigung entschieden hatten.
Schwetzinger Zeitung
21. September 2009