Beim bundesweiten Endturnier zur Jugend-Bundesliga Handball wurde die HG Oftersheim/Schwetzingen Dritter. Sie steht damit als erster Nachrücker für die nächste Saison fest. Allerdings ist es sehr unwahrscheinlich, dass dieser Fall eintreten könnte. Im entscheidenden Spiel unterlag sie Nettelstedt mit 22:28 (11:14).

Für viele galten die Südvertreter HG und HSG Konstanz, die beide ihren Nachwuchs als wichtigen Unterbau der Aktiven-Mannschaften nutzen, als Favoriten in ihren jeweiligen Gruppen. Eine Vorgabe, die sie auch erfüllten. Zwar machte sich in Partie 1 gegen die TSG Harsewinkel bei Oftersheim/Schwetzingen noch eine gewisse Nervosität, Anspannung bemerkbar, doch letztlich wurde diese Aufgabe mit 19:17 (11:7) gelöst. Tags darauf wurden beim Spiel um Platz 3 die wahren Kräfteverhältnisse noch einmal klar unter Beweis gestellt, als der erste Frust über das Ausscheiden abgeschüttelt wurde. Die HG gewann 21:13 (9:5).

Gegen NARVA Berlin ging es dann von Beginn an nur in eine Richtung (7:2, 13:6). Zwar schien es bei nicht mehr voll aufgebrachter Konzentration und einer Berliner 3:3-Deckung noch einmal knapp zu werden. (13:11). Doch dann richteten es die „Kleinen“. Max Barthemeß und Denis Kalabic sorgten für Wirbel hinter der vorgezogenen Abwehrreihe und somit für die 16:11-Entscheidung. Damit stand der Gruppensieg fest und gegen GIW Meerhandball zeigte besonders der „zweite Anzug“ sein Können. Der nachgerückte Rouven Gerischer, David-Danny Hirsch und Christopher Kain drückten beim 24:16 (13:10)-Erfolg in ihren ersten längeren Pflichtspieleinsätzen den Trainern Bernd Meyer und Holger Löhr die Erkenntnis auf, dass sie sich auf ihre „Reservisten“ verlassen dürfen. Nur anfänglich war die ungewohnte Konstellation noch im Straucheln (4:7), dann wurde der Spieß schnell umgedreht (11:8)

Die Gründe für das Scheitern dann sonntags sind mannigfaltig, sollen aber nicht direkt als einzige Ausrede herhalten, zeichnen in ihrer Kompaktheit aber dann doch ein vielschichtiges Bild. Ohne den verletzten Rechtsaußen Hendrik Iwaniez und den erkrankten Kreisläufer Pascal Theuer war die Fahrt angetreten worden. Mittelmann Marcel Meyer plagt sich schon seit Wochen mit Rückenproblemen herum und kam über Kurzeinsätze nicht hinaus. Auch Linkshänder Alexander Leibnitz war zwischendurch nicht mehr verfügbar. Linksaußen Denis Kalabic ruinierte sich zu allem Überfluss bei einem Konter das rechte Knie und war nicht mehr spielfähig.

Auch den Modus hinterfragte manch ein HGler. So musste samstags zwischen 10.30 und 19 Uhr Oftersheim/Schwetzingen dreimal ran, in der kleineren Gruppe wurde nachmittags nur je zweimal gespielt. Dort war auch Konstanz eingruppiert, das im Süden ja hinter der HG platziert war. Auch mussten die jeweiligen Gruppensieger, HG und HSG, ihren Spielort wechseln, während die Zweiten auf angestammten Territorium verblieben. Und schließlich traf die HG auf einen Gegner, der dort nicht hätte sein müssen oder sollen.

Nordhemmern/Südhemmern/Mindenerwald/Nettelstedt war nämlich ebenso unter enormen Druck, denn es hätte eigentlich geplanter Maßen schon in NRW-Runde den Einzug in die JBLH perfekt machen sollen. Doch da „keine entsprechende Leistung geboten wurde“, so die hauseigene Kritik, musste die JSG – ein immerhin finanzintensive umfangreiches Projekt mit Akademie des Männer-Bundesligisten Nettelstedt-Lübbecke – in die Verlängerung. Dadurch kam auch Harsewinkel mit einem Sieg gegen die Nettelstedter Schussligkeit in den Genuss der Endrunde, was im Vorfeld nicht unbedingt zu erwarten gewesen wäre.

Nichtsdestotrotz lag der Erfolg greifbar nahe. Die Kurpfälzer mussten sich für weite Phasen der ersten Halbzeit den Vorwurf gefallen lassen, dass sie ihre Chancen nicht konsequent genug vorbereiteten und nutzten, zu wenig Geduld bewiesen und produzierten 16 Fehlangriffe (6:11). Doch als dieses Manko abgestellt war, war die Partie bald wieder offen (17:18, 18:20 trotz Unterzahl). Außerdem schienen beim Gegner die Kräfte gründlich einzubrechen. Doch zahlreiche Wischpausen, gaben Gelegenheiten durchzuatmen, kurzfristig sich zu erholen.

Vier von fünf dann aus bester Position verworfene Bälle brachten die Vorentscheidung zum 19:24. Die verbleibende Zeit war zu kurz, dies zu ändern (21:26). Die offene Manndeckung am Ende brachte ebenfalls nichts mehr ein. „Letztlich sind wir auf einen Gegner getroffen, der am oberen Limit spielte, bei dem an diesem Tag alles klappte, während wir unser Potential nicht auf den Punkt und über die gesamte Spielzeit abriefen“, fasste Trainer Holger Löhr zusammen.

Natürlich hat das Ausscheiden seine Konsequenzen. Die zuständigen HG-Gremien hatten sich schon vorsichtshalber darüber beraten. Jetzt wird mit den Jungs diskutiert, wie es weitergeht, ihnen Konzepte unterbreitet. Schließlich soll nächstes Jahr wieder für die JBLH-Saison 2017/18 angegriffen werden. Denn schließlich ist dieser Fall zwar „ein Rückschlag“, hatte Löhr, der neue Jugend- Leistungskoordinator, im Vorfled des Turniers erklärt, „aber keine Katastrophe“.

HG: Fauerbach, Brang, Herb; Barthelmeß, Leibnitz, Nasgowitz, Hakic, Demel, Gerischer, Krämer, Meyer, Weissenfels, Kalabic, Hirsch, Kain. mj