Komprimierter kann ein Handballspiel wohl nur schwerlich über die Bühne gehen, wie dieses in der Badenliga. Die HG Oftersheim/Schwetzingen II gewann 28:27 (13:13) in einer äußerst kampfbetonten, aber ansonsten meist recht fairen Partie. Drei Zeitstrafen inklusive zweier Roter Karten in den letzten 30 Sekunden sorgten für Diskussionsbedarf und auch für einen angekündigten Einspruch seitens der unterlegenen HSG St. Leon/Reilingen. Letztlich brachte ein erfolgreicher Siebenmeter von Christian Fendrich nach Ablauf der Spielzeit den Endstand.

Zuvor hatten sich beide Seiten immer mal wieder einen kleinen Vorteil verschafft, sich aber nie entscheidend vom Gegner gelöst. Der Gastgeber versuchte den Ausfall von Rechtsaußen Adrian Wiegand (schwere Knieverletzung aus dem Knielingen-Spiel) mittels zweier Kreisläufer zu kompensieren. Davon profitierten meist Jannik Geisler vom Halbrund oder Christian Fendrich von der rechten Rückraumposition. Bei der HSG waren Lucas Schmitt, Jonas Krepper und Christian Decker zunächst die tragenden Säulen. Kurz vor der Pause (25.) verletzte sich dann noch HG-Kapitän Christoph Lahme an der Leiste und fiel aus.

Die zweite Hälfte begann mit Torhüterwechseln auf beiden Seiten, was den Verlauf der Begegnung nicht sehr nachhaltig beeinflusste und nun zwei „echten“ Kreisläufern bei der HG. Bald (37.) verabschiedete sich mit Willi Fink auch der zweite Spielmacher (Platzwunde am Auge), die Partie blieb weiterhin auf des Messers Schneide. Später bekamen dann die beiden A-Jugendliche Valentin Demel und Alexander Leibnitz von HSG-Trainer Bernd Feldmann Manndeckung verordnet. Der dritte im Bunde der Nachwuchsspieler, Hamza Hakic, sorgte mit einem Dreierpack für wichtige Torerfolge, Decker kümmerte sich darum, dass St. Leon/Reilingen dranblieb.

Marvin Kikillus markierte dann von Linksaußen den Anschlusstreffer – etwa eine Minute Restspielzeit verlieb noch. Vorne verbließ Robert Lux aus aussichtsreicher Lage, den HSG-Konter unterbanden Geisler und Hakic an der Mittellinie; letzterer beging dabei nach Sicht der Unparteiischen eine Tätlichkeit (59:42). Entsprechend dem neuen Reglement zu den letzten 30 Sekunden wurde ein Strafwurf verhängt, den Decker verwandelte (59:46). Im finalen HG-Angriff wurde Robert Lux von hinten umgerissen, Daniel Brenzinge flog mit Zeitstrafe vom Platz (59:56). Beim Freiwurf bewegte sich Kikillus zu schnell von der Linie weg, verhinderte das Spielen des Balls: Disqualifikation und ebenfalls Strafwurf (59:58). Fendrich ließ die Uhr runterlaufen, hämmerte nervenstark das Wurfgerät nach Ablauf der Spielzeit an den Innenpfosten: Sieg.

Der angekündigte Einspruch der HSG muss beim Verband noch mit einer Einzahlung unterlegt werden. Nach der Formulierung werden ihm aber nur wenige Chancen auf Erfolg eingeräumt.

„Wir sind zwar mit viel Bewegung ins Spiel gekommen“, fasste HG-Coach Mathias Polifka seine Eindrücke zusammen. „Dann haben wir uns aber zu sehr in Einzelaktionen verstrickt, die spielerische Linie verloren, das war nur noch Krampf. So gelang es uns nicht, das Spiel für uns zu gestalten. Später mussten wir dann durch individuelle Aktionen, eben durch Hamza und Jannik, den Erfolg suchen, da es über das Kollektiv nicht funktionierte. Der Rest war dann nur noch Hektik pur, weil jeder meinte, die Regeln besser zu verstehen. Aber so war es dann okay.“ mj

HG: Gärtner, Herb; Geisler (10) Lahme (19, Lux, Fink (1), Fendrich (6/1), Dexheimer (2/1), Demel (3), Leibnitz (1), Hakic (4), Hahne.

HSG: Schmidt, Winter; Kikillus (3), Schmitt (7), Menger, Huber, Lechner und Brenzinger, Decker (7/3), Krepper (6), Rausch (3), Manke (1), Eichstätter.

Disqualifikationen: Hakic mit Bericht (Tätlichkeit), Kikillus (Unsportlichkeit).