Vor dem die Saison abschließenden Drittliga-Spiel heute Abend, 19 Uhr, der HG Oftersheim/Schwetzingen gegen den SV Zweibrücken richtet sich der scheidende Handball-Trainer Martin Schnetz in einem letzten "Amtsakt" noch einmal an die Leser der Schwetzinger Zeitung / Hockenheimer Tageszeitung und "sein" Publikum in der Nordstadthalle.

Zunächst geht er noch einmal auf die Verhältnisse zur heutigen Partie ein: "Natürlich wünschen uns Freddy (Anmerkung: Fredrik Fehrenbach, sein Co-Trainer) und ich in unserem letzten Erstmannschafts-Spiel gerne einen Sieg zum Abschied. Ich denke, das Team möchte sich auch mit einem Sieg vom Publikum verabschieden und würde wohl auch gerne uns einen Sieg zum Abschied schenken. Die Bedingungen sind zwar nicht gerade rosig (Anmerkung: siehe gestriger Bericht), aber der Auftritt letzter Woche macht Mut. Wenn es uns gelingt, diesen letzten Willen erneut zu mobilisieren, können wir auch noch dieses Spiel gewinnen. Wir müssen den Sieg einfach mehr wollen als der Gegner."

Dann gibt ein einen gewissen Einblick in sein Seelenleben, schaut noch einmal zurück und auch etwas voraus. Schnetz versprach auch vor Kurzem nach einer gewissen Pause und Übergangszeit mit seiner ganzen Erfahrung der HG weiterhin in einer unbestimmten Form zur Verfügung zu stehen.

"Natürlich wird mir das Alles in gewisser Hinsicht fehlen. Ich verlasse eine fantastisches Team mit einem grandiosen Zusammenhalt. Und wir haben eine erfolgreiche Saison gespielt, die uns fast niemand zugetraut hat. Spieler wie Simon Förch, der bekanntlich keine Fehler macht, oder auch Christoph Lahme trainiere ich nun schon seit zehn Jahren. Ich weiß gar nicht, wie das ohne die sein wird.

Ich hatte mit dieser Mannschaft und dem Trainerteam viel Erfolg und auch sehr viel Spaß. Dennoch freue mich in Zukunft, auch mal Zeit für mich und meine Familie zu genießen. Der Kontakt zur Mannschaft wird ohnehin nicht ganz abreißen, da bin ich mir ziemlich sicher. Zudem ist es beruhigend, das Team nächste Saison in sehr guten Händen zu wissen.

Meine Zeit bei der HG hatte etliche Höhepunkte zu bieten. In Erinnerung bleibt natürlich das Final-Four 2008 um die deutsche Meisterschaft in Baunatal, bei der der Vizetitel mit der damaligen B-Jugend erzielt wurde (Anmerkung: Unter anderen mit Tobias Schmidt, Jan Triebskorn, Alexander Lemke). Außerdem durfte ich dreimal die erfolgreiche Qualifikation zur A-Jugend-Bundesliga feiern.

Aber auch Enttäuschungen gab es: So war zum Bespiel die badische Vizemeisterschaft mit einer tollen B-Jugend 2010 nach einer ungeschlagenen Saison und zwei Entscheidungsspielen mit Torgleichheit gegen Pforzheim/Eutingen bitter. (Anmerkung: Als Sieger hätte die HG erneut um den deutschen Titel gespielt.) Aber ich bin überzeugt, dass Niederlagen uns stärker machten und uns weiter brachten.

Siehe letzte Saison, bevor es dann zum Aufstieg kam: Nachdem wir zweimal in der letzten  Sekunde den vorzeitigen Aufstieg verpasst hatten, waren wir völlig am Boden. Dazu kam plötzlich  Kritik von Außen.  Ich selbst habe ein ganzes Wochenende gebraucht, um das zu verkraften. Dann haben wir uns mit der Mannschaft hingesetzt und uns auf den Showdown vorbereitet, während einige andere tolle Menschen (eine davon werde ich am Monatsende heiraten; eine andere wird hoffentlich am Samstag nochmals für mich spielen)  dafür gesorgt haben, dass uns eine Wahnsinnskulisse unterstützen würde. Und in den 60 Minuten gegen Neuhausen auf den Fildern hat mir die Mannschaft mein schönstes Erlebnis bei der HG beschert – von diesem Ziel habe ich geträumt, als ich die erste Mannschaft übernommen habe. Und diese 60 Minuten werde ich wohl niemals vergessen. Vor den kommenden 'letzten 60 Minuten' habe ich allerdings ein wenig die Hosen voll." mj